Mütter/​ Väter Berichte – Unsere Schreibaby-Geschichte

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Unse­re Schreibaby-Geschichte

Nach­dem wir zwei Stun­den als frisch­ge­ba­cke­ne Fami­lie im Kreiß­saal ver­brin­gen und das Bon­ding genie­ßen durf­ten, wur­den wir auf das Zim­mer gebracht. Es war mitt­ler­wei­le 5:30 Uhr und ich hat­te seit Tagen nicht geschlafen.

Seit Tagen san­ken die Tem­pe­ra­tu­ren nicht unter 25 Grad und das soll­te uns die nächs­ten Wochen auch noch wei­ter­hin beglei­ten. Man sag­te uns, dass man uns ein Kin­der­bett­chen holen wür­de und so war­te­ten wir dar­auf, dass wir alle drei uns von die­sem Stress ein biss­chen erho­len konn­ten, aber es kam nie­mand. Wie­der über eine Stun­de spä­ter, so um 6:45 Uhr wur­de das Kin­der­bett dann in unser Zim­mer gescho­ben und wir ver­such­ten alle drei, etwas zu schlafen.

Von wegen! Um 7:30 Uhr ging dann schon wie­der die Tür auf. Früh­stück. Min­des­tens fünf Mal am Tag kamen irgend­wel­che Men­schen ins Zim­mer, um zu fra­gen, was wir essen möch­ten, um uns das Essen zu brin­gen oder um mich zu unter­su­chen oder um mein Kind zu unter­su­chen. Ent­span­nung gab es nicht.

Zudem war es ja auch wei­ter­hin sehr sehr heiß im Kran­ken­haus­zim­mer. Daher freu­te ich mich auf eine Dusche, aber lei­der kam aus der Lei­tung tage­lang nur war­mes Was­ser her­aus, sodass man sich nicht ein­mal unter der Dusche ein wenig Erfri­schung ver­schaf­fen konn­te. Nachts gab es auch kei­ne Ruhe, denn in die­ser Zeit hat unser Baby kei­ne Ruhe gege­ben. Schon im Kran­ken­haus hat es die Nacht zum Tag gemacht und hör­te ein­fach nicht auf zu schreien.

Dass Babys schrei­en, wenn ihre Grund­be­dürf­nis­se nicht erfüllt sind, war uns klar, aber dass es auch Babys gibt, die exzes­siv schrei­en und nicht zu beru­hi­gen sind – das war uns neu.

Wir bemerk­ten also schon wäh­rend der Kran­ken­haus­zeit, dass die­se Art des Schrei­ens nicht das Schrei­en ist, das die meis­ten Eltern ken­nen. Als Erst-Eltern ist einem aller­dings nicht ganz klar, ob man irgend­et­was falsch macht oder ob man zu wenig Milch hat oder ob man sein Kind ein­fach nicht beru­hi­gen kann oder ob man schlicht­weg zu blöd ist, ein Kind zu bekom­men, weil ande­re es ja schließ­lich auch hinbekommen.

Fra­gen, die uns nie­mand beant­wor­tet hat. Wir haben mehr­fach die Heb­am­men geru­fen, weil wir ein­fach nicht wuss­ten, was wir noch machen soll­ten, aber eine Lösung hat­ten die auch nicht parat. Wir hät­ten uns gewünscht, dass sich ein­fach jemand mit uns hin­ge­setzt hät­te und gesagt hät­te: „Ja, es gibt Babys, die mehr schrei­en als ande­re. Babys, die mit den vie­len Rei­zen nicht zurecht­kom­men. Babys, die sehr sen­si­bel auf jedes Licht, jeden Ton, jede Stim­me, jede Far­be usw. reagie­ren. Babys, die sich erst viel spä­ter als ande­re Babys selbst regu­lie­ren kön­nen. Babys, die sehr viel mehr Auf­merk­sam­keit, Unter­stüt­zung und Gebor­gen­heit ein­for­dern als andere.“

Das alles muss­ten wir selbst her­aus­fin­den, was mit unfass­ba­rer Mühe und herz­zer­rei­ßen­dem Wei­nen und Schrei­en ver­bun­den war, das wir oft noch ver­schlim­mert haben, indem wir ihn stän­dig hek­tisch rum­ge­tra­gen haben und ver­sucht haben, ihn mit Spiel­sa­chen zu trös­ten. Es hät­te uns frü­her jemand sagen kön­nen: „Das Bes­te, was ihr mit einem Schreiba­by machen könnt, ist euch in eine reiz­ar­me Umge­bung zu set­zen und das Wei­nen mit Ruhe und Lie­be zu begleiten.“

Wir hät­ten uns und unse­rem Baby eini­ges erspa­ren kön­nen. Statt­des­sen trau­te man sich mona­te­lang nicht wirk­lich vor die Tür. Alles war ihm zu viel. Und so muss­te man sich von Fami­li­en­mit­glie­dern Sprü­che anhö­ren wie „Die müs­sen sich ja jetzt nicht ein­igeln!“ oder „Babys schrei­en nun­mal!“ oder der Klas­si­ker „Das Kind hat bestimmt Hunger!“.

In den ers­ten Wochen und Mona­ten habe ich alles Mög­li­che zum The­ma „Schreiba­by“ oder „High Need Baby“ im Inter­net recher­chiert. Ich woll­te uns Hil­fe holen. Ich habe mehr­fach mei­ne Heb­am­me ange­spro­chen, aber bis auf Sab Sim­plex, Carum Car­vi Küm­melzäpf­chen, Lefax, Bauch­mas­sa­ge, Flie­ger­griff usw. hat­te sie kei­ne Idee. Auch bei der Abschluss­un­ter­su­chung durch mei­ne Frau­en­ärz­tin war mein Baby auf­fäl­lig und schrie die gan­ze Zeit.

Die Sprech­stun­den­hil­fe woll­te mich wäh­rend der Unter­su­chung unter­stüt­zen und sag­te: „Ich scho­ckel das Kind schon für Sie!“. Schlimm, wenn man trotz­dem noch sein Kind die gan­ze Zeit schrei­en hört. Am Ende sag­te sie zu mir: „Holen Sie sich Hil­fe.“ Toll. Wo denn?! Als Aus­weg sah ich nur die immer wie­der umwor­be­ne Schrei­am­bu­lanz in einem Kran­ken­haus. Mit irgend­je­man­dem muss­te ich doch dar­über spre­chen kön­nen. Ich war sehr gespannt auf mei­nen Ter­min dort. Drei Per­so­nen saßen mir gegenüber.

Aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht kann das doch eigent­lich schon gar nicht sinn­voll sein. Statt eine ver­trau­ens­vol­len Atmo­sphä­re zu schaf­fen, fühl­te man sich hier wie bei einem Ver­hör, aber weil ich ein offe­ner Mensch bin, soll­te mir das auch egal sein. Ich woll­te jetzt schließ­lich mei­ne Hil­fe haben. Es kamen Aus­sa­gen wie: „Sie müs­sen ja jetzt nach 10 Wochen noch nicht ein­kau­fen gehen.“ oder „Sie erschei­nen uns schon ziem­lich belas­tet.“ oder „Tei­len Sie sich das Leid mit Ihrem Part­ner oder den Groß­el­tern.“ Super.

Dafür dass Men­schen dort­hin gehen, die kurz davor sind, ihr Kind zu schüt­teln (und so weit waren wir zum Glück nie), fand ich die­sen Ter­min sehr ernüch­ternd. Wie­der war ich auf mich allei­ne gestellt. Mein Mann war ja schließ­lich arbei­ten und die Näch­te mach­te ich, bis auf län­ge­re Wach­pha­sen, allei­ne. Kein Wun­der, dass ich eine stress­be­ding­te Gür­tel­ro­se bekom­men hatte.

Weder die Frau­en­ärz­tin, noch die Kin­der­ärz­tin, noch die Heb­am­me oder die Schrei­am­bu­lanz des Kran­ken­hau­ses haben mir ansatz­wei­se gehol­fen. Nie­mand hör­te zu. Nach vier Mona­ten hat­ten wir lang­sam das Gefühl, dass es jetzt viel­leicht wie­der bes­ser wer­den wür­de, aber dann wur­de es am Ende des fünf­ten Monats sogar noch­mal schlimmer.

Dar­auf­hin habe ich als letz­tes Mit­tel, dass mir ein­fiel, dann doch noch die Schreiba­by­am­bu­lanz von Danie­la Schel­ling kon­tak­tiert. ENDLICH hör­te uns jemand zu! End­lich ver­mit­tel­te mir jemand Sicher­heit, Schutz und den Mut, mit mei­nem Schreiba­by und sei­nen Gefüh­len umzu­ge­hen. Seit­her wur­de es ste­tig bes­ser. Mit zuneh­men­der Mobi­li­tät des Kin­des und zuneh­men­dem Selbst­ver­trau­en der Mut­ter hat sich alles zum Bes­se­ren entwickelt.

Mein Baby ist immer noch sehr viel sen­si­bler als ande­re, fin­det schlech­ter in den Schlaf und braucht mehr Ruhe­pau­sen, aber er ist auch sehr viel zufrie­de­ner, unter ande­rem weil ich als Mut­ter jetzt ein bes­se­res Ver­ständ­nis von alle­dem habe. Es war ein stei­ni­ger Weg und bis heu­te bedaue­re ich die Tat­sa­che, dass wir unse­ren Start als Fami­lie nicht genie­ßen konnten.

Wenn ich ande­re Müt­ter mit ihren Maxi Cosis sehe, die im Café sind, bei irgend­ei­ner Fei­er, bei Ikea oder in der Stadt den­ke ich immer: „Das wäre bei uns nicht mög­lich gewe­sen!“ Schade.

Mütter/​ Väter Berichte – Geburtsbericht

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Geburts­be­richt

Unser gemein­sa­mes Leben begann an einem furcht­bar hei­ßen Tag im Som­mer. Ich bemerk­te, dass sich irgend­et­was anders anfühl­te. Ich kann es nicht genau beschrei­ben, aber irgend­et­was hat­te sich ver­än­dert. Ich bemerk­te auch immer wie­der ein zuerst leich­tes Zie­hen im Unter­leib. So gegen 17 Uhr fing es an, dass die­ses Zie­hen, dass wenig spä­ter in Wehen mün­de­te, immer regel­mä­ßi­ger wurde.

Schon Wochen vor der Geburt konn­te ich nicht mehr rich­tig schla­fen. Oft bin ich mit­ten in der Nacht ins Wohn­zim­mer gegan­gen und habe ver­geb­lich ver­sucht, auf der Couch wei­ter­zu­schla­fen. Auch in die­ser Nacht konn­te ich nicht viel schla­fen. In der Nacht haben wir bereits die­se immer schlim­mer wer­den­den Schmer­zen mit­hil­fe einer App getrackt. Aller­dings waren die Abstän­de noch bei ca. 20 Minu­ten. Trotz­dem sind wir nachts um 5 Uhr ins Kran­ken­haus gefah­ren, weil es mir echt nicht gut ging.

Dort muss­te mein Mann im Auto war­ten, weil auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie kei­ne Begleit­per­son bis zur tat­säch­li­chen Geburt in den Kreiß­saal durf­te. Im Kreiß­saal ange­langt, schloss man mich erst ein­mal an den Wehen­schrei­ber an. Und wie ich es mir schon dach­te, sag­te auch die Heb­am­me: „Die Wehen sind noch zu unregelmäßig.“

Also schick­te sie uns wie­der nach Hau­se, wo die Wehen­tä­tig­keit wei­ter zunahm. Das Gan­ze wur­de immer stär­ker und schmerz­haf­ter. Ich hat­te schon zu die­sem Zeit­punkt das Gefühl, die Wehen ver­at­men zu müs­sen und ver­such­te, das im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs Erlern­te umzu­set­zen. Es war wei­ter­hin unfass­bar heiß und ich sehn­te mich nach einer Bade­wan­ne. Lei­der besit­zen wir kei­ne, sodass ich mich bestimmt sechs­mal unter die Dusche gestellt habe, weil die Schmer­zen dort immer etwas bes­ser zu ertra­gen waren.

Mir ging es schlecht, doch ich erin­ner­te mich an die Wor­te aus dem Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs: „Man darf erst ins Kran­ken­haus, wenn die Wehen eine Stun­de lang alle 5 Minu­ten kom­men.“ Und sie kamen ein­fach noch nicht so regel­mä­ßig. Selbst am spä­ten Nach­mit­tag kamen die Wehen noch nicht alle 5 Minu­ten – son­dern mitt­ler­wei­le alle 8 Minu­ten – und zu die­sem Zeit­punkt hat­te ich ja bereits schon fast 24 Stun­den Wehentätigkeit.

Um nicht wie­der vom Kran­ken­haus nach Hau­se geschickt zu wer­den, rief ich mei­ne Heb­am­me in einer kur­zen Wehen­pau­se an und schil­der­te mei­ne Situa­ti­on. Ich sag­te, dass ich mich an ihre Wor­te aus dem Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs erin­ner­te: „Wenn ihr mich anruft und noch spre­chen könnt, dann ist es noch zu früh, um ins Kran­ken­haus zu fah­ren.“ Und sie erwi­der­te: „Ja, da hast du doch dei­ne Antwort.“

Doch wenig spä­ter ent­schie­den mein Mann und ich, die­ser Aus­sa­ge zu trot­zen und uns auf den Weg ins Kran­ken­haus zu machen. Es war inzwi­schen 17 Uhr. Der lang andau­ern­de Schlaf­man­gel, die Som­mer­hit­ze, die Schmer­zen – ich fühl­te mich zu die­sem Zeit­punkt schon ziem­lich aus­ge­laugt und ich hat­te das Gefühl, die Schmer­zen nach dem lan­gen Zeit­raum nicht mehr allein bewäl­ti­gen zu kön­nen. Erneut muss­te mein Mann im Auto war­ten und ich stand schon wie­der im Kreiß­saal und bat um Hil­fe und ins­be­son­de­re um Schmerzmittel.

Lei­der habe ich kein Schmerz­mit­tel bekom­men, weil man mich zuerst an das CTG anschlie­ßen woll­te. Das CTG war mit den Schmer­zen nur sehr schwer zu ertra­gen und im Wehen­schrei­ber­zim­mer war ich dann auch ins­ge­samt über eine wei­te­re Stun­de allein, bis end­lich eine Heb­am­me kam und mich unter­such­te. Laut ihrer Aus­sa­ge sei zufäl­lig im Moment der Unter­su­chung mei­ne Frucht­bla­se geplatzt, sodass ich des­we­gen – „obwohl die Wehen noch nicht alle 5 Minu­ten kom­men“, so die Heb­am­me – blei­ben durf­te und den letz­ten ver­füg­ba­ren Kreiß­saal bekam.

Ich bat erneut um Schmerz­mit­tel, doch man woll­te mir zuerst den Kreiß­saal vor­be­rei­ten. In der Zeit durf­te ich – weil ich dar­um gebe­ten hat­te – mei­nen Mann anru­fen, dass er hoch­kom­men darf. Nach­dem ich 15 Minu­ten spä­ter ein­fach erneut nach Schmerz­mit­tel gefragt hat­te, gab man mir immer­hin ein Zäpf­chen, das ich mir ver­ab­rei­chen soll­te. Wenig spä­ter stell­te ich aber fest, dass es mir nichts gebracht hat. Nach einer gefühl­ten Ewig­keit durf­ten wir in den Kreiß­saal. Die Wehen wur­den stär­ker und ich wur­de schwä­cher. Des­halb habe ich die dienst­ha­ben­de Heb­am­me gefragt, wel­che Schmerz­mit­tel es außer­dem noch gäbe und sie sag­te, dass man eigent­lich nur noch die PDA zur Ver­fü­gung hät­te. Aus Angst, wie schlimm die Wehen wohl noch wer­den wür­den und vor Erschöp­fung bat ich dar­um, dass man mir die PDA legt.

Die Heb­am­me woll­te sich dar­um küm­mern und kam mit einer Ärz­tin zurück, die mir zunächst einen Wehen­hem­mer ver­ab­reich­te, und mir dann erklär­te, was jetzt pas­sie­ren wür­de und dass ich einen Kat­zen­bu­ckel zu machen habe. Immer wie­der wur­de ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich den Rücken run­der machen soll­te und dann wur­de ich gefragt, ob ich frü­her viel Sport gemacht hät­te, denn das wür­de man jetzt mer­ken, weil im Rücken alles so straff wäre, dass sie mit der Nadel nicht hin­durch käme.

Ins­ge­samt ver­brach­te man eine Drei­vier­tel­stun­de damit, dass man mir die PDA setzt. Es benö­tig­te vier Anläu­fe und meh­re­re Betäu­bungs­sti­che. Danach folg­te erst­mal eine Ent­span­nungs­pau­se. Mein Mann und ich lagen auf dem Kran­ken­haus­bett. Ich trank Cola, aß ein paar Snacks und ent­spann­te mich, um für die Aus­trei­bungs­pha­se Kraft zu tan­ken. Die meis­te Zeit waren wir allein im Kreiß­saal. Zwi­schen­durch kam mal eine Heb­am­me und kon­trol­lier­te den Mut­ter­mund oder die Herz­tö­ne des Babys.

Nach zwei Stun­den sag­te sie bei einer Unter­su­chung, dass sie jetzt mal mit einer Ärz­tin spre­chen müs­se, weil die Wehen­tä­tig­keit abneh­men wür­de und die Herz­tö­ne ihr Sor­gen berei­te­ten. Sie berei­te­te mich sozu­sa­gen dar­auf vor, dass mir Oxy­to­zin ver­ab­reicht wer­den müs­se, damit das Kind natür­lich auf die Welt kom­men kön­ne. Ich frag­te, ob das wirk­lich not­wen­dig sei und sie sag­te „ja“. Und dann begann die Austreibungsphase.

Wenn ich mich recht erin­ne­re, ging es plötz­lich so schnell, dass ich das Gefühl hat­te, dass ich pres­sen muss und ich konn­te es auch nicht auf­hal­ten. Ich lag auf dem Rücken auf dem Bett und sag­te bzw. schrie immer wie­der, dass ich das unge­müt­lich fin­de. Ich hat­te das Gefühl, dass die Press­we­hen nie wie­der auf­hö­ren wür­den und schrie die gesam­te Eta­ge zusammen.

Irgend­wie war mir das sogar unan­ge­nehm, weil ich den ande­ren wer­den­den Müt­tern kei­ne Angst machen woll­te. Die Heb­am­men hät­ten mich ja theo­re­tisch auch mal bestär­ken kön­nen und mir sagen kön­nen, dass ich das gut mache, aber statt­des­sen unter­hiel­ten die Damen sich dar­über, dass sie eigent­lich schon längst kei­ne Schicht mehr hät­ten und schon in der zwei­ten Schicht arbei­ten müssten.

Dann hieß es plötz­lich, dass man vom Kopf mei­nes Kin­des Blut abneh­men müs­se, um irgend­ei­nen Test zu machen. Ich habe mehr­fach dar­um gebe­ten, dass man bit­te die PDA nach­spritzt und dass ich nicht auf dem Rücken lie­gen möch­te, doch die Anwe­sen­den sag­ten, dass erst­mal der Test gemacht wer­den müs­se. Lei­der brauch­te auch das gan­ze vier Ver­su­che, weil sie aus Ver­se­hen immer Frucht­was­ser mit in der Pro­be hat­ten und das ver­fälscht wohl das Ergebnis.

Also muss­te ich ohne Schmerz­mit­tel und ohne so lie­gen zu dür­fen, wie ich es woll­te, eine wei­te­re Drei­vier­tel­stun­de in die­ser Posi­ti­on schrei­end und völ­lig erschöpft ver­har­ren. Irgend­wann sag­te die Heb­am­me „Man sieht jetzt schon den Haar­an­satz.“ und ich dach­te „Wie bit­te?! Jetzt erst?! Von mei­nem Gefühl und den vie­len Press­we­hen müss­te doch bestimmt schon der hal­be Kopf drau­ßen sein! Wie soll ich das jemals schaffen?!“

Ich soll­te das Köpf­chen füh­len, aber ich hät­te mir ehr­lich gesagt mehr Moti­va­ti­on dadurch erhofft. Viel­leicht war ich ein­fach schon zu erschöpft und ich frag­te mich die gan­ze Zeit, war­um mei­ne Wün­sche nicht respek­tiert wer­den, dass die PDA nach­ge­spritzt wird oder dass ich eine ande­re Posi­ti­on ein­neh­men dür­fe. Wenn das nicht mög­lich war, war­um hat mir das dann nicht ein­fach jemand erklärt?

Die­se Fra­ge stel­le ich mir bis heu­te. Nach­dem der Test dann irgend­wann mal erfolg­reich war, sag­te ich erneut, dass ich nicht mehr auf dem Rücken lie­gen möch­te und die Heb­am­me sag­te „Dann halt auf der Sei­te.“, was ich ins­ge­heim auch nie woll­te. Ich hat­te mir immer vor­ge­stellt – und das hat­te ich beim Vor­ge­spräch im Kran­ken­haus auch so geäu­ßert – dass ich in der Bade­wan­ne gebä­ren möch­te oder im Vierfüßlerstand.

Lei­der bekam ich den ein­zi­gen Kreiß­saal ohne Bade­wan­ne und über die Gebär­po­si­tio­nen hat­te mit mir auch nie­mand dort gespro­chen, nicht ein­mal als noch Zeit war, das zu bespre­chen. Also lag ich gezwun­ge­ner­ma­ßen auf der Sei­te und soll­te immer beim Pres­sen noch zusätz­lich mein Bein anzie­hen. Ent­spre­chend muss­te ich nicht nur pres­sen, atmen, schrei­en und zuhö­ren koor­di­nie­ren, son­dern auch noch das Bein festhalten.

Nach­dem ich irgend­wann fest dar­an glaub­te, dass das Gan­ze kein Ende mehr neh­men wür­de, ver­such­te ich mehr­mals mit vol­ler Wucht zu pres­sen und dann, mit­ten in der Nacht, nach ca. 33 Stun­den Schmer­zen, pas­sier­te es: Mit einem kräf­ti­gen Schub­ser, flutsch­te mein Baby in die­se Welt hin­ein und der Heb­am­me fiel nichts Bes­se­res ein als zu sagen: „Pas­sen Sie auf! Jetzt hät­ten Sie mich fast getreten!“

Mei­ne Mut­ter hat­te immer zu mir gesagt: „Wenn du dein Kind in den Armen hältst, ist alles ver­ges­sen.“, doch mir war sofort klar, dass ich die­ses Erleb­nis, die­se Schmer­zen, die­se Hilf­lo­sig­keit, die­se Tor­tur nie­mals, wirk­lich nie­mals, ver­ges­sen würde.

Mütter/​Väter Berichte – Liebe Hebammen, Baby-Kursleiterinnen, Ärzte

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Lie­be Heb­am­men, Baby-Kurs­lei­te­rin­nen, Ärzte

Ich weiss, Ihr habt es Alle nur gut gemeint – ich weiss, Ihr seid „Fach­leu­te”, wenn es um Babies geht und Ihr möch­tet hel­fen und unter­stüt­zen – doch genau das, habt Ihr lei­der sehr oft nicht getan. Die ver­meint­li­che Hil­fe ging für uns so häu­fig völ­lig am Ziel vor­bei und hat unse­re Lage eher schlech­ter als bes­ser gemacht. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, mich nicht von Erwar­tungs­hal­tun­gen, Rat­schlä­gen und tau­send ver­schie­de­nen Mei­nun­gen ver­rückt machen zu las­sen, doch in einem ruhi­gen Moment im Nach­hin­ein erken­ne ich, wie sehr ich doch von all dem ver­un­si­chert war – und das in einer Situa­ti­on geprägt von Schlaf­man­gel, Hor­mon­cha­os, kör­per­li­cher Über­for­de­rung und geis­ti­ger und sozia­ler Unterforderung.

Unser Baby war von Anfang an innig geliebt und sehn­lich erwar­tet, doch nach einer nicht ganz ein­fa­chen Schwan­ger­schaft vol­ler Schmer­zen und einer schwe­ren Geburt, stell­te sich her­aus, dass unser Baby eini­ges mehr von uns braucht, als wir zuvor dachten.

Vie­les ver­un­si­chert mich heu­te nicht mehr, son­dern macht mich eher wütend.

Des­halb muss ich Euch doch ein­mal schrei­ben, was ich alles nicht gebraucht hätte…

Im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs im Geburts­haus hät­te ich es nicht gebraucht, dass uns sug­ge­riert wur­de, dass natür­li­che Gebur­ten ohne medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe der Stan­dard sind und jede Frau qua­si selbst dafür ver­ant­wort­lich ist, wie die Geburt verläuft.

Ich habe fleis­sig atmen und Geburts­po­si­tio­nen geübt, posi­ti­ve Bil­der vor mei­nem inne­ren Auge her­vor­ge­ru­fen, Man­tras zum Ver­ar­bei­ten der Wehen erlernt – doch die Geburt ver­lief völ­lig anders als gedacht, denn die Wehen kün­dig­ten sich nicht lan­ge an, son­dern setz­ten plötz­lich mit aller Wucht ein und kamen sofort alle 3 Minu­ten. Wir hat­ten direkt im Kreis­saal ange­kom­men grü­nes Frucht­was­ser, unser Baby hat­te Stress, die Herz­tö­ne gin­gen immer hoch, wenn ich mich set­zen woll­te, sodass ich die Wehen lan­ge nur im Ste­hen ver­ar­bei­ten konn­te. Wie sich spä­ter her­aus­stell­te, hat­te sich unser Schatz auch die Nabel­schnur mehr­mals um den Hals gewi­ckelt. Nach fast 15 Stun­den steck­te er fest und muss­te mit der Zan­ge geholt wer­den. Und ich fühl­te mich wie ein Ver­sa­ger, weil ich es nicht ohne Schmerz­mit­tel und nicht ohne ärzt­li­chen Ein­griff geschafft hat­te, mein Baby auf die Welt zu brin­gen. Ich habe stun­den­lang gear­bei­tet, doch die­se Leis­tung, die mein Baby und ich gemein­sam voll­bracht hat­ten, konn­te ich erst­mal nicht rich­tig sehen. Ich war ein­fach nur unend­lich erschöpft.

Uns wur­de immer gesagt, wir soll­ten uns nicht mit nega­ti­ven Geburts­er­fah­run­gen ande­rer Frau­en belas­ten (denn dann beschwö­ren wir es ja selbst her­auf…), doch heu­te den­ke ich, es wäre viel hilf­rei­cher gewe­sen, uns auch im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs nicht nur am Ran­de, son­dern als gros­ses The­ma über Kom­pli­ka­tio­nen, medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe, usw. zu infor­mie­ren. Und vor allem, wäre es ganz wich­tig gewe­sen, zu sagen: “Ihr Frau­en macht einen tol­len Job, Ihr ver­sucht Euer Bes­tes, doch wenn Ihr Hil­fe unter der Geburt in Anspruch nehmt, ist das völ­lig ok und oft sogar lebens­wich­tig für Euch oder Euer Kind und Ihr seid als Mut­ter nicht weni­ger wert, weil Ihr es nicht allei­ne geschafft habt.”

Ich weiss, dass gera­de die Heb­am­men dies auch nicht wirk­lich den­ken und einen vor unnö­ti­gen Ein­grif­fen schüt­zen möch­ten, doch ich habe mich ein­fach so oft gefühlt, als wür­den sie mei­nen, man kön­ne fast jedes Kind in einer Geburts­wan­ne mit Glo­bu­li und Aro­ma­the­ra­pie bekom­men, wenn man es nur wirk­lich wollte.

Ich wür­de mir ein­fach wün­schen, dass die Heb­am­men und Ärz­te bes­ser mit­ein­an­der arbei­ten wür­den und man sich als Schwan­ge­re nicht so häu­fig im Span­nungs­feld zwi­schen die­sen Par­tei­en füh­len müss­te. Denn es geht doch nicht um wis­sen­schaf­li­che Dog­men ver­schie­de­ner Fach­rich­tun­gen, son­dern dar­um, Frau­en in ihrem Weg durch die Geburt zu beglei­ten – egal wie die­ser aus­se­hen mag.

Doch die schlimms­te Zeit war mit Abstand die Zeit auf der Wöch­ne­rin­nen­sta­ti­on. Die­se hät­te ich ein­fach kom­plett nicht gebraucht: nicht die Sprü­che, ich sol­le nicht heu­len, sonst wür­de ich auch kei­ne Glücks­hor­mo­ne bil­den; nicht das über­grif­fi­ge Her­an­pres­sen des Kop­fes mei­nes Babies an mei­ne Brust als das Stil­len nicht klapp­te; nicht das Genervt­sein und die psy­cho­lo­gi­sche Inkom­pe­tenz der Schwes­tern, das War­ten auf Hil­fe, die lächer­li­che “Still­be­ra­tung” von 15 Minu­ten, die mir sug­ge­rier­te, ich wür­de das Baby ein­fach nur falsch hal­ten, die Kom­men­ta­re zur Saug­ver­wir­rung usw.

Wenn es der gesund­heit­li­che Zustand von Mut­ter und Kind zulässt, wür­de ich bei der Situa­ti­on in den meis­ten Kran­ken­häu­sern jedem raten, ambu­lant zu ent­bin­den und ein paar Stun­den nach der Geburt nach Hau­se zu gehen. Doch so mutig war ich als Erst­ge­bä­ren­de nicht und die Ent­zün­dugs­wer­te unse­res Soh­nes muss­ten nach der schwe­ren Geburt noch ein paar Tage lang gecheckt werden.

Eine Wöch­ne­rin­nen­sta­ti­on ist kei­ne nor­ma­le medi­zi­ni­sche Abtei­lung, es geht nicht nur um das Mes­sen des Blut­drucks, der Tem­pe­ra­tur, etc., son­dern um Men­schen, die in einer völ­li­gen Aus­nah­me­si­tua­ti­on sind und die Ver­ständ­nis und Unter­stüt­zung brau­chen. Ich möch­te nicht mit dem medi­zi­ni­schen Per­so­nal tau­schen, ich weiss, wel­chen Pfle­ge­not­stand es in Deutsch­land gibt, doch die meis­ten Schwes­tern auf unse­rer Sta­ti­on, haben den Beruf ver­fehlt oder soll­ten sich in ande­re Sta­tio­nen ver­set­zen lassen.

Es geht Gott sei Dank auch anders, denn unse­re Nacht­schwes­ter war genau so, wie man es sich als frisch geba­cke­ne und völ­lig über­mü­de­te Eltern wünscht. Sie kam immer schnell zu uns, wenn wir klin­gel­ten, zeig­te kei­nen Fun­ken von “genervt sein”, ver­such­te uns wirk­lich mit unse­rem Baby zu unter­stüt­zen (z.B. durch Pucken) und hat­te ein­fach Ver­ständ­nis, dass wir völ­lig am Ende waren, da unser Schatz nicht trin­ken woll­te, nur schrie und nicht lan­ge schlief. Bei den meis­ten ande­ren fehl­te anschei­nend jeg­li­che Aus­bil­dung oder Feingefühl.

Zu Hau­se hät­te ich zudem eine ande­re Heb­am­me gebraucht, die mich inten­siv beim Stil­len unter­stützt, mehr Zeit für uns gehabt und nicht so sehr in ihren eige­nen Dog­men gelebt hät­te. Das stän­di­ge Abpum­pen und Füt­tern mit dem Fin­ger-Fee­der ver­lang­te mir alle Kraft und jeg­li­chen Schlaf ab. Irgend­wann war für mich der ein­zi­ge Aus­weg, kom­plett die Reiss­lei­ne zu zie­hen und auf Fla­schen­nah­rung umzu­stel­len. Ich konn­te gar nicht mehr klar den­ken und woll­te, dass es end­lich ein­fach schön mit unse­rem Baby würde.

Mit mei­nen jet­zi­gen Erfah­run­gen wür­de ich unse­rem Baby neben dem Anle­gen ein­fach ein paar Fla­schen geben, bis ich als Mut­ter wie­der etwas zu Kräf­ten gekom­men wäre, damit das Baby erst­mal satt und zufrie­de­ner wäre. Heu­te hät­te ich da weni­ger Schuld­ge­füh­le und Angst vor einer ver­meint­li­chen Saug­ver­wir­rung, aber damals habe ich mich wie die schlimms­te Raben­mut­ter gefühlt, da ich mein Kind nicht lan­ge stil­len konnte.

Spä­ter im Baby­kurs im Geburts­haus hät­te ich ger­ne auf die stän­di­gen Beleh­run­gen mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger zum The­ma Bei­kost und Ernäh­rung all­ge­mein verzichtet.

Im Geburts­haus wird ger­ne pos­tu­liert, dass nur selbst­ge­koch­ter Brei kei­ne Kin­des­miss­hand­lung ist und Gläs­chen nur Dreck ent­hal­ten. Mein Baby war aber nie ein ruhi­ger, zufrie­de­ner Zeit­ge­nos­se, der zufrie­den mit sei­nen Füs­sen gespielt hat, wäh­rend Mama Pas­ti­na­ken püriert. Mein Baby woll­te am liebs­ten 24 Stun­den getra­gen wer­den oder zumin­dest mei­ne unge­teil­te Auf­merk­sam­keit. Ich lausch­te völ­lig ungläu­big ande­ren Müt­tern, die noch Zeit und Ener­gie hat­ten, ihren Kin­dern selbst Stramp­ler zu nähen oder duschen gehen konn­ten, wäh­rend ihr Kind im Bade­zim­mer auf einer Decke lag! Ich war froh, wenn ich dazu kam, mir die Zäh­ne zu put­zen. Nicht jedes Kind ist gleich und auch nicht jede fami­liä­re Situa­ti­on: ich bin kei­ne Raben­mut­ter, wenn ich mei­nem Kind auch mal Gläs­chen­nah­rung gebe und es mir aus rei­nem Über­le­bens­wil­len hier und da etwas leich­ter mache. Es ging bei uns im ers­ten ¾ Baby­jahr meist nicht um den Schwimm­stil, son­dern dar­um, nicht unterzugehen.

Ich habe die gan­zen Klug­scheis­ser-Kom­men­ta­re zur Ernäh­rung nicht gebraucht, ich bin seit 20 Jah­ren Vege­ta­ri­er, habe immer lei­den­schaft­lich ger­ne gekocht, mich mit gesun­der Ernäh­rung, Nach­hal­tig­keit und fai­rem Han­del beschäf­tigt,  jeden Diens­tag kam die Bio­kis­te ins Haus – doch Ihr könnt ger­ne mal vor­ma­chen, wie Ihr 5 Brei­mahl­zei­ten am Tag zube­rei­tet, wenn Ihr stän­dig ein Baby mit stär­ke­ren Bedürf­nis­sen in der Tra­ge vor Eurem Bauch geschnallt habt, Ihr völ­lig über­mü­det seid und Rücken­schmer­zen habt. Wer da noch stän­dig den Pürier­stab schwin­gen kann, ist ent­we­der Maso­chist oder übernatürlich.

Auch den Tipp der Kin­der­ärz­tin, unse­ren Sohn zum Ein­schla­fen schrei­en zu las­sen, hät­te ich nicht gebraucht. Tat­säch­lich habe ich von vie­len Kin­der­ärz­ten auch im Netz genau die­sen Rat­schlag gele­sen. Gott sei Dank habe ich zu dem The­ma viel recher­chiert und weiss, dass die­ses Vor­ge­hen allen heu­ti­gen Erkennt­nis­sen der früh­kind­li­chen Neu­ro­lo­gie, Psy­cho­lo­gie und Bin­dungs­theo­rie wider­spricht. Aus­ser­dem fühlt es sich für jeden halb­wegs sen­si­blen Men­schen völ­lig falsch an, sein klei­nes Baby allein zu las­sen und nicht auf sein Rufen zu ant­wor­ten. Mit sol­chen Rat­schlä­gen ist Nie­man­dem gehol­fen, es gibt den Eltern nur wie­der das Gefühl, etwas falsch zu machen. Denn hät­te man sein Baby nicht so ver­wöhnt, hät­te man jetzt nicht die Quit­tung, dass es nicht allei­ne ein­schla­fen kann. Herz­li­chen Glück­wunsch, Sie sind durch­ge­fal­len – Set­zen. Sechs.

Natür­lich bin ich ein mün­di­ger Mensch, der für sich und sein Baby selbst ver­ant­wort­lich ist. Doch es ist frus­trie­rend, wenn man von so vie­len Per­so­nen, die einem im ver­rück­ten Baby­kos­mos hel­fen soll­ten, nur wei­ter geschwächt wird. Viel­leicht macht Ihr es beim nächs­ten Mal bes­ser und ver­sucht den Men­schen in sei­ner indi­vi­du­el­len Situa­ti­on zu sehen. Ihr seid die Fach­leu­te, an die man sich wen­det, wenn man Fra­gen und Pro­ble­me hat. Ich habe so vie­le unfass­ba­re Kom­men­ta­re von ande­ren aus mei­nem Umfeld zu unse­rem Kind bekom­men – ein paar Highlights:

“Er ist viel­leicht so unru­hig, weil Du so viel Sport in der Schwan­ger­schaft gemacht hast.”

“Nimm ihn nicht gleich hoch, wenn er weint – Du ver­wöhnst ihn. Da musst Du Dich nicht wun­dern, wenn er auf Dich fixiert ist.”

“Die Klei­nen wis­sen genau, wie sie uns mani­pu­lie­ren können.”

Bei all dem Quatsch, den man als frisch­ge­ba­cke­ne Mut­ter so zu hören bekommt, soll­tet IHR die­je­ni­gen seid, die mich in mei­ner neu­en Rol­le stär­ken – oder wenigs­tens nicht wei­ter runterzieht.

Mütter/​ Väter Berichte – Unsere Tochter war ein absolutes Wunschkind

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Unse­re Toch­ter war ein abso­lu­tes Wunschkind.

Mei­ne Schwan­ger­schaft genoss ich von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te. Bis auf die übli­chen Weh­weh­chen hat­te ich kaum mit Pro­ble­men in der Schwan­ger­schaft zu kämpfen.

In der Woche vor dem Ent­bin­dungs­ter­min emp­fahl mei­ne Frau­en­ärz­tin mir ein Vor­be­rei­tungs­ge­spräch in mei­ner Ent­bin­dungs­kli­nik, da sie das Baby als sehr groß gemes­sen hat­te. Die Kli­nik kor­ri­gier­te das Gewicht etwas nach unten, Emp­fahl aber mit einer Ein­lei­tung nicht län­ger als sie­ben Tage nach ET zu war­ten. Drei Tage nach mei­nem ET wur­de ich mit Ver­dacht auf Gesto­se wie­der ins Kran­ken­haus geschickt, doch der erhöh­te Blut­druck bestä­tig­te sich nicht, sodass ich wie­der nach Hau­se konn­te. Am Frei­tag, sechs Tage nach ET, bekam ich eine Ein­wei­sung ins Kran­ken­haus für die Einleitung.

Doch in der Nacht zu Sams­tag gegen vier Uhr mor­gens set­zen die Wehen ein. Regel­mä­ßig, aber noch in wei­ten Abstän­den. Mor­gens tele­fo­nier­te ich mit der Kli­nik und sie emp­fah­len mir, trotz­dem zu kom­men. Das CTG bei der Auf­nah­me bestä­tig­te, dass die Wehen zu regel­mä­ßig und stark für eine Ein­lei­tung waren. Also wur­de ich erst­mal auf die Sta­ti­on geschickt, damit geschaut wer­den konn­te, wie sich die Situa­ti­on entwickelt.

Nach­mit­tags kamen die Wehen schon in fünf Minu­ten Abstän­den, wäh­rend ich die Flu­re hoch und run­ter lief. Gegen 18 Uhr stell­te der Arzt fest, dass der Mut­ter­mund 3 cm geöff­net war. Ich hat­te star­ke Schmer­zen, sodass man mich in den Kreis­saal ver­leg­te, da man mir dort bes­ser hel­fen konn­te. In Abspra­che mit den Heb­am­men bekam ich dort auch einen Ein­lauf und homöo­pa­thi­sche Medi­ka­men­te. Im Anschluss ging ich in die Bade­wan­ne. Dies tat mir sehr gut, die Wehen­stär­ke und – häu­fig­keit nahm etwas ab, ich ent­spann­te mich. Zwi­schen­durch ver­ließ ich die Bade­wan­ne, da die Wehen aber schlim­mer wur­den, ging ich wie­der zurück baden. Um kurz nach Mit­ter­nacht wur­de ich erneut von den Heb­am­men untersucht.

Der Mut­ter­mund war 6cm geöff­net, aber das Kind senk­te sich lei­der nicht mit dem Kopf ins Becken, es lag sogar falsch. Die Heb­am­men emp­fah­len mir, mich auf die Sei­te zu legen, damit sich das Köpf­chen dreht und doch noch ins Becken ein­tritt. Lei­der habe ich den Tag über fest­ge­stellt, dass ich im Lie­gen sehr star­ke Wehen­schmer­zen bekam, sodass lie­gen für mich kei­ne Opti­on war. Des­we­gen wur­de mir zu einer PDA gera­ten. Ich wil­lig­te ein, da es augen­schein­lich kei­nen ande­ren Weg gab. Der Nar­ko­se­arzt wur­de geweckt und die PDA vor­be­rei­tet. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te ich schon alle drei Minu­ten Wehen. Lei­der muss­te der Arzt mehr­mals zuste­chen, er brauch­te ins­ge­samt fünf Versuche.

Zwi­schen­durch kamen natür­lich Wehen und ich muss­te mich stark kon­zen­trie­ren, da ich mich nicht bewe­gen durf­te. Ich wur­de auf­ge­for­dert, mich sogar mehr zu ent­span­nen, da mei­ne Mus­ku­la­tur zu ver­krampft sei. Ich ver­such­te alles so gut wie mög­lich zu befol­gen. Dann hör­te ich auch noch, wie der Nar­ko­se­arzt sag­te: „Kann sich jemand um den Mann küm­mern, der kippt glau­be ich gleich um.“ Trotz allem ver­such­te ich, mich zu ent­span­nen und dann saß die PDA endlich.

Mei­nem Mann ist auch nichts pas­siert, er wur­de recht­zei­tig auf ein Sofa gesetzt. Dies war der Zeit­punkt, wo ich das Gefühl hat­te, mir wur­de die Geburt aus der Hand genommen.

Ich muss­te mich hin­le­gen und ich spür­te weder die Wehen noch mein Kind mit der PDA. Ich sah nur auf dem CTG und anhand der anspan­nen­den Bauch­de­cke, dass ich Wehen haben müss­te. Nun lag ich da und war­te­te und war­te­te. Es gab nichts, was ich tun konn­te. Mor­gens um sechs kurz vor dem Schicht­wech­sel stell­te man fest, dass der Mut­ter­mund voll­stän­dig geöff­net war, aber das Kind immer noch nicht in das Becken ein­ge­tre­ten war. Nach dem Schicht­wech­sel unter­such­te mich die neu ein­ge­trof­fe­ne Heb­am­me und öff­ne­te die Furcht­bla­se. Manch­mal wür­de die Frucht­bla­se ein Ein­tre­ten ins Becken behin­dern. Sie sag­te, wir war­ten jetzt noch zwei Stun­den und wenn sich dann nix getan hat, wird ein Kai­ser­schnitt veranlasst.

Ich brach in Trä­nen aus, da ich vor einem Kai­ser­schnitt wahn­sin­ni­ge Angst hat­te. Die gan­ze Anspan­nung und War­te­rei der letz­ten Nacht ent­lu­den sich schlag­ar­tig. Die Heb­am­men­schü­le­rin, die mich beglei­te­te, beru­hig­te mich und erklär­te mir alles in Ruhe. Wie der Kai­ser­schnitt ablau­fen wür­de, was mit mir und mei­nem Kind pas­siert. Ich beru­hig­te mich lang­sam und wartete.

Nach einer Stun­de stell­te die Heb­am­me fest, dass es tat­säch­lich so aus­sieht, als wür­de sich das Köpf­chen sen­ken. Ich hät­te noch Tage gewar­tet, wenn sich dadurch ein Kai­ser­schnitt ver­hin­dern ließe.

Eine Stun­de spä­ter bestä­tig­te sich der Ein­druck lei­der nicht. Der Ober­arzt kam, unter­such­te mich und ver­an­lass­te wegen Geburts­still­stand den Kai­ser­schnitt. Es war inzwi­schen nach zehn Uhr mor­gens. Es kamen jede Men­ge Leu­te in den Raum und berei­te­ten mich auf den Kai­ser­schnitt vor.

Eine Anäs­the­sis­tin klär­te mich über die Risi­ken auf, ein zwei­ter sprit­ze die PDA auf. Heb­am­men bet­te­ten mich um und scho­ben mich in den OP. Dort wur­de ich wei­ter mit Elek­tro­den und ande­ren Sachen zuge­klebt. Ich hat­te sehr viel Angst, beson­ders als der Ober­arzt mit einer Pin­zet­te tes­te­te, ob ich noch was mer­ke und ich es tat­säch­lich gespürt hat­te. Aber der Kai­ser­schnitt an sich ver­lief gut. Um 10:58 Uhr leg­te der Arzt mir mei­ne Toch­ter auf die Brust. Zwar hin­ter den Vor­hang, aber sie war bei mir. Und es ging ihr gut. Sie wur­de kur­ze Zeit spä­ter von den Kin­der­ärz­ten in den Neben­raum mit­ge­nom­men und unter­sucht. Ich konn­te sie die gan­ze Zeit sehen. Dann wur­de sie auf mei­ne Brust unter einen Wär­me­fön gelegt. Wir sahen uns das ers­te Mal in die Augen.

Als mein Mann sprach, der die gan­ze Zeit an mei­nem Kopf hin­ter mir geses­sen hat, such­te sie die ihr bekann­te Stim­me, es war ein schö­ner Moment. Nach ein paar Minu­ten bekam mein Mann mei­ne Toch­ter auf den Arm und bei­de gin­gen zurück in den Kreis­saal, wäh­rend ich zuge­näht wur­de. Als ich zurück in den Kreis­saal gescho­ben wur­de, zit­ter­te ich am gan­zen Kör­per unkon­trol­liert und hef­tig. Mir war furcht­bar kalt, aber ich war erleich­tert, dass es mei­ner Toch­ter und auch mir den Umstän­den ent­spre­chend gut ging.

Die Geburt spuk­te noch meh­re­re Wochen in mei­nem Kopf rum und beschäf­tig­te mich. Ger­ne hät­te ich eine natür­li­che Geburt gehabt. Ich war ent­täuscht und frus­triert und fra­ge mich bis heu­te, ob eine län­ge­re War­te­zeit am Ende doch zu einer natür­li­chen Geburt geführt hät­te. Eine genaue Ursa­che des Geburts­still­stan­des wur­de nicht gefun­den, mei­ne Toch­ter war weder beson­ders dick, noch war die Nabel­schnur zu kurz. Es lässt sich nicht mehr ändern, doch wer­de ich immer mit Weh­mut und Ent­täu­schung an die Geburt zurückdenken.

Mein Blog „Glückliches Kind“

Hier berich­te ich in loser Fol­ge aus der SchreiBa­by­Am­bu­lanz  in der Pra­xis Nord­stadt Eltern & Kind.

Es geht um Hin­ter­grund­wis­sen zur Pra­xis, ver­schie­de­ne The­ra­pie­for­men und ‑ansät­ze und Neu­ig­kei­ten bei der the­ra­peu­ti­schen Beglei­tung von Eltern.

Außer­dem infor­mie­re ich regel­mä­ßig über Semi­nar- und Work­shop-Ange­bo­te mei­ner Praxis.

Frü­he­re Besucher*innen von glueck​li​ches​-kind​.de ver­mis­sen aktu­ell wahr­schein­lich den ein oder ande­ren älte­ren Bei­trag. Im Zuge der Neu­struk­tu­rie­rung mei­ner Web­an­ge­bo­te wer­den die älte­ren Bei­trä­ge nach und nach gesich­tet und bei Bedarf in aktua­li­sier­ter Form auch wie­der ver­öf­fent­licht werden.

Danie­la Schelling