Mütter/​ Väter Berichte – Unsere Schreibaby-Geschichte

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Unse­re Schreibaby-Geschichte

Nach­dem wir zwei Stun­den als frisch­ge­ba­cke­ne Fami­lie im Kreiß­saal ver­brin­gen und das Bon­ding genie­ßen durf­ten, wur­den wir auf das Zim­mer gebracht. Es war mitt­ler­wei­le 5:30 Uhr und ich hat­te seit Tagen nicht geschlafen.

Seit Tagen san­ken die Tem­pe­ra­tu­ren nicht unter 25 Grad und das soll­te uns die nächs­ten Wochen auch noch wei­ter­hin beglei­ten. Man sag­te uns, dass man uns ein Kin­der­bett­chen holen wür­de und so war­te­ten wir dar­auf, dass wir alle drei uns von die­sem Stress ein biss­chen erho­len konn­ten, aber es kam nie­mand. Wie­der über eine Stun­de spä­ter, so um 6:45 Uhr wur­de das Kin­der­bett dann in unser Zim­mer gescho­ben und wir ver­such­ten alle drei, etwas zu schlafen.

Von wegen! Um 7:30 Uhr ging dann schon wie­der die Tür auf. Früh­stück. Min­des­tens fünf Mal am Tag kamen irgend­wel­che Men­schen ins Zim­mer, um zu fra­gen, was wir essen möch­ten, um uns das Essen zu brin­gen oder um mich zu unter­su­chen oder um mein Kind zu unter­su­chen. Ent­span­nung gab es nicht.

Zudem war es ja auch wei­ter­hin sehr sehr heiß im Kran­ken­haus­zim­mer. Daher freu­te ich mich auf eine Dusche, aber lei­der kam aus der Lei­tung tage­lang nur war­mes Was­ser her­aus, sodass man sich nicht ein­mal unter der Dusche ein wenig Erfri­schung ver­schaf­fen konn­te. Nachts gab es auch kei­ne Ruhe, denn in die­ser Zeit hat unser Baby kei­ne Ruhe gege­ben. Schon im Kran­ken­haus hat es die Nacht zum Tag gemacht und hör­te ein­fach nicht auf zu schreien.

Dass Babys schrei­en, wenn ihre Grund­be­dürf­nis­se nicht erfüllt sind, war uns klar, aber dass es auch Babys gibt, die exzes­siv schrei­en und nicht zu beru­hi­gen sind – das war uns neu.

Wir bemerk­ten also schon wäh­rend der Kran­ken­haus­zeit, dass die­se Art des Schrei­ens nicht das Schrei­en ist, das die meis­ten Eltern ken­nen. Als Erst-Eltern ist einem aller­dings nicht ganz klar, ob man irgend­et­was falsch macht oder ob man zu wenig Milch hat oder ob man sein Kind ein­fach nicht beru­hi­gen kann oder ob man schlicht­weg zu blöd ist, ein Kind zu bekom­men, weil ande­re es ja schließ­lich auch hinbekommen.

Fra­gen, die uns nie­mand beant­wor­tet hat. Wir haben mehr­fach die Heb­am­men geru­fen, weil wir ein­fach nicht wuss­ten, was wir noch machen soll­ten, aber eine Lösung hat­ten die auch nicht parat. Wir hät­ten uns gewünscht, dass sich ein­fach jemand mit uns hin­ge­setzt hät­te und gesagt hät­te: „Ja, es gibt Babys, die mehr schrei­en als ande­re. Babys, die mit den vie­len Rei­zen nicht zurecht­kom­men. Babys, die sehr sen­si­bel auf jedes Licht, jeden Ton, jede Stim­me, jede Far­be usw. reagie­ren. Babys, die sich erst viel spä­ter als ande­re Babys selbst regu­lie­ren kön­nen. Babys, die sehr viel mehr Auf­merk­sam­keit, Unter­stüt­zung und Gebor­gen­heit ein­for­dern als andere.“

Das alles muss­ten wir selbst her­aus­fin­den, was mit unfass­ba­rer Mühe und herz­zer­rei­ßen­dem Wei­nen und Schrei­en ver­bun­den war, das wir oft noch ver­schlim­mert haben, indem wir ihn stän­dig hek­tisch rum­ge­tra­gen haben und ver­sucht haben, ihn mit Spiel­sa­chen zu trös­ten. Es hät­te uns frü­her jemand sagen kön­nen: „Das Bes­te, was ihr mit einem Schreiba­by machen könnt, ist euch in eine reiz­ar­me Umge­bung zu set­zen und das Wei­nen mit Ruhe und Lie­be zu begleiten.“

Wir hät­ten uns und unse­rem Baby eini­ges erspa­ren kön­nen. Statt­des­sen trau­te man sich mona­te­lang nicht wirk­lich vor die Tür. Alles war ihm zu viel. Und so muss­te man sich von Fami­li­en­mit­glie­dern Sprü­che anhö­ren wie „Die müs­sen sich ja jetzt nicht ein­igeln!“ oder „Babys schrei­en nun­mal!“ oder der Klas­si­ker „Das Kind hat bestimmt Hunger!“.

In den ers­ten Wochen und Mona­ten habe ich alles Mög­li­che zum The­ma „Schreiba­by“ oder „High Need Baby“ im Inter­net recher­chiert. Ich woll­te uns Hil­fe holen. Ich habe mehr­fach mei­ne Heb­am­me ange­spro­chen, aber bis auf Sab Sim­plex, Carum Car­vi Küm­melzäpf­chen, Lefax, Bauch­mas­sa­ge, Flie­ger­griff usw. hat­te sie kei­ne Idee. Auch bei der Abschluss­un­ter­su­chung durch mei­ne Frau­en­ärz­tin war mein Baby auf­fäl­lig und schrie die gan­ze Zeit.

Die Sprech­stun­den­hil­fe woll­te mich wäh­rend der Unter­su­chung unter­stüt­zen und sag­te: „Ich scho­ckel das Kind schon für Sie!“. Schlimm, wenn man trotz­dem noch sein Kind die gan­ze Zeit schrei­en hört. Am Ende sag­te sie zu mir: „Holen Sie sich Hil­fe.“ Toll. Wo denn?! Als Aus­weg sah ich nur die immer wie­der umwor­be­ne Schrei­am­bu­lanz in einem Kran­ken­haus. Mit irgend­je­man­dem muss­te ich doch dar­über spre­chen kön­nen. Ich war sehr gespannt auf mei­nen Ter­min dort. Drei Per­so­nen saßen mir gegenüber.

Aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht kann das doch eigent­lich schon gar nicht sinn­voll sein. Statt eine ver­trau­ens­vol­len Atmo­sphä­re zu schaf­fen, fühl­te man sich hier wie bei einem Ver­hör, aber weil ich ein offe­ner Mensch bin, soll­te mir das auch egal sein. Ich woll­te jetzt schließ­lich mei­ne Hil­fe haben. Es kamen Aus­sa­gen wie: „Sie müs­sen ja jetzt nach 10 Wochen noch nicht ein­kau­fen gehen.“ oder „Sie erschei­nen uns schon ziem­lich belas­tet.“ oder „Tei­len Sie sich das Leid mit Ihrem Part­ner oder den Groß­el­tern.“ Super.

Dafür dass Men­schen dort­hin gehen, die kurz davor sind, ihr Kind zu schüt­teln (und so weit waren wir zum Glück nie), fand ich die­sen Ter­min sehr ernüch­ternd. Wie­der war ich auf mich allei­ne gestellt. Mein Mann war ja schließ­lich arbei­ten und die Näch­te mach­te ich, bis auf län­ge­re Wach­pha­sen, allei­ne. Kein Wun­der, dass ich eine stress­be­ding­te Gür­tel­ro­se bekom­men hatte.

Weder die Frau­en­ärz­tin, noch die Kin­der­ärz­tin, noch die Heb­am­me oder die Schrei­am­bu­lanz des Kran­ken­hau­ses haben mir ansatz­wei­se gehol­fen. Nie­mand hör­te zu. Nach vier Mona­ten hat­ten wir lang­sam das Gefühl, dass es jetzt viel­leicht wie­der bes­ser wer­den wür­de, aber dann wur­de es am Ende des fünf­ten Monats sogar noch­mal schlimmer.

Dar­auf­hin habe ich als letz­tes Mit­tel, dass mir ein­fiel, dann doch noch die Schreiba­by­am­bu­lanz von Danie­la Schel­ling kon­tak­tiert. ENDLICH hör­te uns jemand zu! End­lich ver­mit­tel­te mir jemand Sicher­heit, Schutz und den Mut, mit mei­nem Schreiba­by und sei­nen Gefüh­len umzu­ge­hen. Seit­her wur­de es ste­tig bes­ser. Mit zuneh­men­der Mobi­li­tät des Kin­des und zuneh­men­dem Selbst­ver­trau­en der Mut­ter hat sich alles zum Bes­se­ren entwickelt.

Mein Baby ist immer noch sehr viel sen­si­bler als ande­re, fin­det schlech­ter in den Schlaf und braucht mehr Ruhe­pau­sen, aber er ist auch sehr viel zufrie­de­ner, unter ande­rem weil ich als Mut­ter jetzt ein bes­se­res Ver­ständ­nis von alle­dem habe. Es war ein stei­ni­ger Weg und bis heu­te bedaue­re ich die Tat­sa­che, dass wir unse­ren Start als Fami­lie nicht genie­ßen konnten.

Wenn ich ande­re Müt­ter mit ihren Maxi Cosis sehe, die im Café sind, bei irgend­ei­ner Fei­er, bei Ikea oder in der Stadt den­ke ich immer: „Das wäre bei uns nicht mög­lich gewe­sen!“ Schade.

Mütter/​ Väter Berichte – Geburtsbericht

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Geburts­be­richt

Unser gemein­sa­mes Leben begann an einem furcht­bar hei­ßen Tag im Som­mer. Ich bemerk­te, dass sich irgend­et­was anders anfühl­te. Ich kann es nicht genau beschrei­ben, aber irgend­et­was hat­te sich ver­än­dert. Ich bemerk­te auch immer wie­der ein zuerst leich­tes Zie­hen im Unter­leib. So gegen 17 Uhr fing es an, dass die­ses Zie­hen, dass wenig spä­ter in Wehen mün­de­te, immer regel­mä­ßi­ger wurde.

Schon Wochen vor der Geburt konn­te ich nicht mehr rich­tig schla­fen. Oft bin ich mit­ten in der Nacht ins Wohn­zim­mer gegan­gen und habe ver­geb­lich ver­sucht, auf der Couch wei­ter­zu­schla­fen. Auch in die­ser Nacht konn­te ich nicht viel schla­fen. In der Nacht haben wir bereits die­se immer schlim­mer wer­den­den Schmer­zen mit­hil­fe einer App getrackt. Aller­dings waren die Abstän­de noch bei ca. 20 Minu­ten. Trotz­dem sind wir nachts um 5 Uhr ins Kran­ken­haus gefah­ren, weil es mir echt nicht gut ging.

Dort muss­te mein Mann im Auto war­ten, weil auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie kei­ne Begleit­per­son bis zur tat­säch­li­chen Geburt in den Kreiß­saal durf­te. Im Kreiß­saal ange­langt, schloss man mich erst ein­mal an den Wehen­schrei­ber an. Und wie ich es mir schon dach­te, sag­te auch die Heb­am­me: „Die Wehen sind noch zu unregelmäßig.“

Also schick­te sie uns wie­der nach Hau­se, wo die Wehen­tä­tig­keit wei­ter zunahm. Das Gan­ze wur­de immer stär­ker und schmerz­haf­ter. Ich hat­te schon zu die­sem Zeit­punkt das Gefühl, die Wehen ver­at­men zu müs­sen und ver­such­te, das im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs Erlern­te umzu­set­zen. Es war wei­ter­hin unfass­bar heiß und ich sehn­te mich nach einer Bade­wan­ne. Lei­der besit­zen wir kei­ne, sodass ich mich bestimmt sechs­mal unter die Dusche gestellt habe, weil die Schmer­zen dort immer etwas bes­ser zu ertra­gen waren.

Mir ging es schlecht, doch ich erin­ner­te mich an die Wor­te aus dem Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs: „Man darf erst ins Kran­ken­haus, wenn die Wehen eine Stun­de lang alle 5 Minu­ten kom­men.“ Und sie kamen ein­fach noch nicht so regel­mä­ßig. Selbst am spä­ten Nach­mit­tag kamen die Wehen noch nicht alle 5 Minu­ten – son­dern mitt­ler­wei­le alle 8 Minu­ten – und zu die­sem Zeit­punkt hat­te ich ja bereits schon fast 24 Stun­den Wehentätigkeit.

Um nicht wie­der vom Kran­ken­haus nach Hau­se geschickt zu wer­den, rief ich mei­ne Heb­am­me in einer kur­zen Wehen­pau­se an und schil­der­te mei­ne Situa­ti­on. Ich sag­te, dass ich mich an ihre Wor­te aus dem Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs erin­ner­te: „Wenn ihr mich anruft und noch spre­chen könnt, dann ist es noch zu früh, um ins Kran­ken­haus zu fah­ren.“ Und sie erwi­der­te: „Ja, da hast du doch dei­ne Antwort.“

Doch wenig spä­ter ent­schie­den mein Mann und ich, die­ser Aus­sa­ge zu trot­zen und uns auf den Weg ins Kran­ken­haus zu machen. Es war inzwi­schen 17 Uhr. Der lang andau­ern­de Schlaf­man­gel, die Som­mer­hit­ze, die Schmer­zen – ich fühl­te mich zu die­sem Zeit­punkt schon ziem­lich aus­ge­laugt und ich hat­te das Gefühl, die Schmer­zen nach dem lan­gen Zeit­raum nicht mehr allein bewäl­ti­gen zu kön­nen. Erneut muss­te mein Mann im Auto war­ten und ich stand schon wie­der im Kreiß­saal und bat um Hil­fe und ins­be­son­de­re um Schmerzmittel.

Lei­der habe ich kein Schmerz­mit­tel bekom­men, weil man mich zuerst an das CTG anschlie­ßen woll­te. Das CTG war mit den Schmer­zen nur sehr schwer zu ertra­gen und im Wehen­schrei­ber­zim­mer war ich dann auch ins­ge­samt über eine wei­te­re Stun­de allein, bis end­lich eine Heb­am­me kam und mich unter­such­te. Laut ihrer Aus­sa­ge sei zufäl­lig im Moment der Unter­su­chung mei­ne Frucht­bla­se geplatzt, sodass ich des­we­gen – „obwohl die Wehen noch nicht alle 5 Minu­ten kom­men“, so die Heb­am­me – blei­ben durf­te und den letz­ten ver­füg­ba­ren Kreiß­saal bekam.

Ich bat erneut um Schmerz­mit­tel, doch man woll­te mir zuerst den Kreiß­saal vor­be­rei­ten. In der Zeit durf­te ich – weil ich dar­um gebe­ten hat­te – mei­nen Mann anru­fen, dass er hoch­kom­men darf. Nach­dem ich 15 Minu­ten spä­ter ein­fach erneut nach Schmerz­mit­tel gefragt hat­te, gab man mir immer­hin ein Zäpf­chen, das ich mir ver­ab­rei­chen soll­te. Wenig spä­ter stell­te ich aber fest, dass es mir nichts gebracht hat. Nach einer gefühl­ten Ewig­keit durf­ten wir in den Kreiß­saal. Die Wehen wur­den stär­ker und ich wur­de schwä­cher. Des­halb habe ich die dienst­ha­ben­de Heb­am­me gefragt, wel­che Schmerz­mit­tel es außer­dem noch gäbe und sie sag­te, dass man eigent­lich nur noch die PDA zur Ver­fü­gung hät­te. Aus Angst, wie schlimm die Wehen wohl noch wer­den wür­den und vor Erschöp­fung bat ich dar­um, dass man mir die PDA legt.

Die Heb­am­me woll­te sich dar­um küm­mern und kam mit einer Ärz­tin zurück, die mir zunächst einen Wehen­hem­mer ver­ab­reich­te, und mir dann erklär­te, was jetzt pas­sie­ren wür­de und dass ich einen Kat­zen­bu­ckel zu machen habe. Immer wie­der wur­de ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich den Rücken run­der machen soll­te und dann wur­de ich gefragt, ob ich frü­her viel Sport gemacht hät­te, denn das wür­de man jetzt mer­ken, weil im Rücken alles so straff wäre, dass sie mit der Nadel nicht hin­durch käme.

Ins­ge­samt ver­brach­te man eine Drei­vier­tel­stun­de damit, dass man mir die PDA setzt. Es benö­tig­te vier Anläu­fe und meh­re­re Betäu­bungs­sti­che. Danach folg­te erst­mal eine Ent­span­nungs­pau­se. Mein Mann und ich lagen auf dem Kran­ken­haus­bett. Ich trank Cola, aß ein paar Snacks und ent­spann­te mich, um für die Aus­trei­bungs­pha­se Kraft zu tan­ken. Die meis­te Zeit waren wir allein im Kreiß­saal. Zwi­schen­durch kam mal eine Heb­am­me und kon­trol­lier­te den Mut­ter­mund oder die Herz­tö­ne des Babys.

Nach zwei Stun­den sag­te sie bei einer Unter­su­chung, dass sie jetzt mal mit einer Ärz­tin spre­chen müs­se, weil die Wehen­tä­tig­keit abneh­men wür­de und die Herz­tö­ne ihr Sor­gen berei­te­ten. Sie berei­te­te mich sozu­sa­gen dar­auf vor, dass mir Oxy­to­zin ver­ab­reicht wer­den müs­se, damit das Kind natür­lich auf die Welt kom­men kön­ne. Ich frag­te, ob das wirk­lich not­wen­dig sei und sie sag­te „ja“. Und dann begann die Austreibungsphase.

Wenn ich mich recht erin­ne­re, ging es plötz­lich so schnell, dass ich das Gefühl hat­te, dass ich pres­sen muss und ich konn­te es auch nicht auf­hal­ten. Ich lag auf dem Rücken auf dem Bett und sag­te bzw. schrie immer wie­der, dass ich das unge­müt­lich fin­de. Ich hat­te das Gefühl, dass die Press­we­hen nie wie­der auf­hö­ren wür­den und schrie die gesam­te Eta­ge zusammen.

Irgend­wie war mir das sogar unan­ge­nehm, weil ich den ande­ren wer­den­den Müt­tern kei­ne Angst machen woll­te. Die Heb­am­men hät­ten mich ja theo­re­tisch auch mal bestär­ken kön­nen und mir sagen kön­nen, dass ich das gut mache, aber statt­des­sen unter­hiel­ten die Damen sich dar­über, dass sie eigent­lich schon längst kei­ne Schicht mehr hät­ten und schon in der zwei­ten Schicht arbei­ten müssten.

Dann hieß es plötz­lich, dass man vom Kopf mei­nes Kin­des Blut abneh­men müs­se, um irgend­ei­nen Test zu machen. Ich habe mehr­fach dar­um gebe­ten, dass man bit­te die PDA nach­spritzt und dass ich nicht auf dem Rücken lie­gen möch­te, doch die Anwe­sen­den sag­ten, dass erst­mal der Test gemacht wer­den müs­se. Lei­der brauch­te auch das gan­ze vier Ver­su­che, weil sie aus Ver­se­hen immer Frucht­was­ser mit in der Pro­be hat­ten und das ver­fälscht wohl das Ergebnis.

Also muss­te ich ohne Schmerz­mit­tel und ohne so lie­gen zu dür­fen, wie ich es woll­te, eine wei­te­re Drei­vier­tel­stun­de in die­ser Posi­ti­on schrei­end und völ­lig erschöpft ver­har­ren. Irgend­wann sag­te die Heb­am­me „Man sieht jetzt schon den Haar­an­satz.“ und ich dach­te „Wie bit­te?! Jetzt erst?! Von mei­nem Gefühl und den vie­len Press­we­hen müss­te doch bestimmt schon der hal­be Kopf drau­ßen sein! Wie soll ich das jemals schaffen?!“

Ich soll­te das Köpf­chen füh­len, aber ich hät­te mir ehr­lich gesagt mehr Moti­va­ti­on dadurch erhofft. Viel­leicht war ich ein­fach schon zu erschöpft und ich frag­te mich die gan­ze Zeit, war­um mei­ne Wün­sche nicht respek­tiert wer­den, dass die PDA nach­ge­spritzt wird oder dass ich eine ande­re Posi­ti­on ein­neh­men dür­fe. Wenn das nicht mög­lich war, war­um hat mir das dann nicht ein­fach jemand erklärt?

Die­se Fra­ge stel­le ich mir bis heu­te. Nach­dem der Test dann irgend­wann mal erfolg­reich war, sag­te ich erneut, dass ich nicht mehr auf dem Rücken lie­gen möch­te und die Heb­am­me sag­te „Dann halt auf der Sei­te.“, was ich ins­ge­heim auch nie woll­te. Ich hat­te mir immer vor­ge­stellt – und das hat­te ich beim Vor­ge­spräch im Kran­ken­haus auch so geäu­ßert – dass ich in der Bade­wan­ne gebä­ren möch­te oder im Vierfüßlerstand.

Lei­der bekam ich den ein­zi­gen Kreiß­saal ohne Bade­wan­ne und über die Gebär­po­si­tio­nen hat­te mit mir auch nie­mand dort gespro­chen, nicht ein­mal als noch Zeit war, das zu bespre­chen. Also lag ich gezwun­ge­ner­ma­ßen auf der Sei­te und soll­te immer beim Pres­sen noch zusätz­lich mein Bein anzie­hen. Ent­spre­chend muss­te ich nicht nur pres­sen, atmen, schrei­en und zuhö­ren koor­di­nie­ren, son­dern auch noch das Bein festhalten.

Nach­dem ich irgend­wann fest dar­an glaub­te, dass das Gan­ze kein Ende mehr neh­men wür­de, ver­such­te ich mehr­mals mit vol­ler Wucht zu pres­sen und dann, mit­ten in der Nacht, nach ca. 33 Stun­den Schmer­zen, pas­sier­te es: Mit einem kräf­ti­gen Schub­ser, flutsch­te mein Baby in die­se Welt hin­ein und der Heb­am­me fiel nichts Bes­se­res ein als zu sagen: „Pas­sen Sie auf! Jetzt hät­ten Sie mich fast getreten!“

Mei­ne Mut­ter hat­te immer zu mir gesagt: „Wenn du dein Kind in den Armen hältst, ist alles ver­ges­sen.“, doch mir war sofort klar, dass ich die­ses Erleb­nis, die­se Schmer­zen, die­se Hilf­lo­sig­keit, die­se Tor­tur nie­mals, wirk­lich nie­mals, ver­ges­sen würde.

Mütter/​Väter Berichte – Liebe Hebammen, Baby-Kursleiterinnen, Ärzte

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Lie­be Heb­am­men, Baby-Kurs­lei­te­rin­nen, Ärzte

Ich weiss, Ihr habt es Alle nur gut gemeint – ich weiss, Ihr seid „Fach­leu­te”, wenn es um Babies geht und Ihr möch­tet hel­fen und unter­stüt­zen – doch genau das, habt Ihr lei­der sehr oft nicht getan. Die ver­meint­li­che Hil­fe ging für uns so häu­fig völ­lig am Ziel vor­bei und hat unse­re Lage eher schlech­ter als bes­ser gemacht. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, mich nicht von Erwar­tungs­hal­tun­gen, Rat­schlä­gen und tau­send ver­schie­de­nen Mei­nun­gen ver­rückt machen zu las­sen, doch in einem ruhi­gen Moment im Nach­hin­ein erken­ne ich, wie sehr ich doch von all dem ver­un­si­chert war – und das in einer Situa­ti­on geprägt von Schlaf­man­gel, Hor­mon­cha­os, kör­per­li­cher Über­for­de­rung und geis­ti­ger und sozia­ler Unterforderung.

Unser Baby war von Anfang an innig geliebt und sehn­lich erwar­tet, doch nach einer nicht ganz ein­fa­chen Schwan­ger­schaft vol­ler Schmer­zen und einer schwe­ren Geburt, stell­te sich her­aus, dass unser Baby eini­ges mehr von uns braucht, als wir zuvor dachten.

Vie­les ver­un­si­chert mich heu­te nicht mehr, son­dern macht mich eher wütend.

Des­halb muss ich Euch doch ein­mal schrei­ben, was ich alles nicht gebraucht hätte…

Im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs im Geburts­haus hät­te ich es nicht gebraucht, dass uns sug­ge­riert wur­de, dass natür­li­che Gebur­ten ohne medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe der Stan­dard sind und jede Frau qua­si selbst dafür ver­ant­wort­lich ist, wie die Geburt verläuft.

Ich habe fleis­sig atmen und Geburts­po­si­tio­nen geübt, posi­ti­ve Bil­der vor mei­nem inne­ren Auge her­vor­ge­ru­fen, Man­tras zum Ver­ar­bei­ten der Wehen erlernt – doch die Geburt ver­lief völ­lig anders als gedacht, denn die Wehen kün­dig­ten sich nicht lan­ge an, son­dern setz­ten plötz­lich mit aller Wucht ein und kamen sofort alle 3 Minu­ten. Wir hat­ten direkt im Kreis­saal ange­kom­men grü­nes Frucht­was­ser, unser Baby hat­te Stress, die Herz­tö­ne gin­gen immer hoch, wenn ich mich set­zen woll­te, sodass ich die Wehen lan­ge nur im Ste­hen ver­ar­bei­ten konn­te. Wie sich spä­ter her­aus­stell­te, hat­te sich unser Schatz auch die Nabel­schnur mehr­mals um den Hals gewi­ckelt. Nach fast 15 Stun­den steck­te er fest und muss­te mit der Zan­ge geholt wer­den. Und ich fühl­te mich wie ein Ver­sa­ger, weil ich es nicht ohne Schmerz­mit­tel und nicht ohne ärzt­li­chen Ein­griff geschafft hat­te, mein Baby auf die Welt zu brin­gen. Ich habe stun­den­lang gear­bei­tet, doch die­se Leis­tung, die mein Baby und ich gemein­sam voll­bracht hat­ten, konn­te ich erst­mal nicht rich­tig sehen. Ich war ein­fach nur unend­lich erschöpft.

Uns wur­de immer gesagt, wir soll­ten uns nicht mit nega­ti­ven Geburts­er­fah­run­gen ande­rer Frau­en belas­ten (denn dann beschwö­ren wir es ja selbst her­auf…), doch heu­te den­ke ich, es wäre viel hilf­rei­cher gewe­sen, uns auch im Geburts­vor­be­rei­tungs­kurs nicht nur am Ran­de, son­dern als gros­ses The­ma über Kom­pli­ka­tio­nen, medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe, usw. zu infor­mie­ren. Und vor allem, wäre es ganz wich­tig gewe­sen, zu sagen: “Ihr Frau­en macht einen tol­len Job, Ihr ver­sucht Euer Bes­tes, doch wenn Ihr Hil­fe unter der Geburt in Anspruch nehmt, ist das völ­lig ok und oft sogar lebens­wich­tig für Euch oder Euer Kind und Ihr seid als Mut­ter nicht weni­ger wert, weil Ihr es nicht allei­ne geschafft habt.”

Ich weiss, dass gera­de die Heb­am­men dies auch nicht wirk­lich den­ken und einen vor unnö­ti­gen Ein­grif­fen schüt­zen möch­ten, doch ich habe mich ein­fach so oft gefühlt, als wür­den sie mei­nen, man kön­ne fast jedes Kind in einer Geburts­wan­ne mit Glo­bu­li und Aro­ma­the­ra­pie bekom­men, wenn man es nur wirk­lich wollte.

Ich wür­de mir ein­fach wün­schen, dass die Heb­am­men und Ärz­te bes­ser mit­ein­an­der arbei­ten wür­den und man sich als Schwan­ge­re nicht so häu­fig im Span­nungs­feld zwi­schen die­sen Par­tei­en füh­len müss­te. Denn es geht doch nicht um wis­sen­schaf­li­che Dog­men ver­schie­de­ner Fach­rich­tun­gen, son­dern dar­um, Frau­en in ihrem Weg durch die Geburt zu beglei­ten – egal wie die­ser aus­se­hen mag.

Doch die schlimms­te Zeit war mit Abstand die Zeit auf der Wöch­ne­rin­nen­sta­ti­on. Die­se hät­te ich ein­fach kom­plett nicht gebraucht: nicht die Sprü­che, ich sol­le nicht heu­len, sonst wür­de ich auch kei­ne Glücks­hor­mo­ne bil­den; nicht das über­grif­fi­ge Her­an­pres­sen des Kop­fes mei­nes Babies an mei­ne Brust als das Stil­len nicht klapp­te; nicht das Genervt­sein und die psy­cho­lo­gi­sche Inkom­pe­tenz der Schwes­tern, das War­ten auf Hil­fe, die lächer­li­che “Still­be­ra­tung” von 15 Minu­ten, die mir sug­ge­rier­te, ich wür­de das Baby ein­fach nur falsch hal­ten, die Kom­men­ta­re zur Saug­ver­wir­rung usw.

Wenn es der gesund­heit­li­che Zustand von Mut­ter und Kind zulässt, wür­de ich bei der Situa­ti­on in den meis­ten Kran­ken­häu­sern jedem raten, ambu­lant zu ent­bin­den und ein paar Stun­den nach der Geburt nach Hau­se zu gehen. Doch so mutig war ich als Erst­ge­bä­ren­de nicht und die Ent­zün­dugs­wer­te unse­res Soh­nes muss­ten nach der schwe­ren Geburt noch ein paar Tage lang gecheckt werden.

Eine Wöch­ne­rin­nen­sta­ti­on ist kei­ne nor­ma­le medi­zi­ni­sche Abtei­lung, es geht nicht nur um das Mes­sen des Blut­drucks, der Tem­pe­ra­tur, etc., son­dern um Men­schen, die in einer völ­li­gen Aus­nah­me­si­tua­ti­on sind und die Ver­ständ­nis und Unter­stüt­zung brau­chen. Ich möch­te nicht mit dem medi­zi­ni­schen Per­so­nal tau­schen, ich weiss, wel­chen Pfle­ge­not­stand es in Deutsch­land gibt, doch die meis­ten Schwes­tern auf unse­rer Sta­ti­on, haben den Beruf ver­fehlt oder soll­ten sich in ande­re Sta­tio­nen ver­set­zen lassen.

Es geht Gott sei Dank auch anders, denn unse­re Nacht­schwes­ter war genau so, wie man es sich als frisch geba­cke­ne und völ­lig über­mü­de­te Eltern wünscht. Sie kam immer schnell zu uns, wenn wir klin­gel­ten, zeig­te kei­nen Fun­ken von “genervt sein”, ver­such­te uns wirk­lich mit unse­rem Baby zu unter­stüt­zen (z.B. durch Pucken) und hat­te ein­fach Ver­ständ­nis, dass wir völ­lig am Ende waren, da unser Schatz nicht trin­ken woll­te, nur schrie und nicht lan­ge schlief. Bei den meis­ten ande­ren fehl­te anschei­nend jeg­li­che Aus­bil­dung oder Feingefühl.

Zu Hau­se hät­te ich zudem eine ande­re Heb­am­me gebraucht, die mich inten­siv beim Stil­len unter­stützt, mehr Zeit für uns gehabt und nicht so sehr in ihren eige­nen Dog­men gelebt hät­te. Das stän­di­ge Abpum­pen und Füt­tern mit dem Fin­ger-Fee­der ver­lang­te mir alle Kraft und jeg­li­chen Schlaf ab. Irgend­wann war für mich der ein­zi­ge Aus­weg, kom­plett die Reiss­lei­ne zu zie­hen und auf Fla­schen­nah­rung umzu­stel­len. Ich konn­te gar nicht mehr klar den­ken und woll­te, dass es end­lich ein­fach schön mit unse­rem Baby würde.

Mit mei­nen jet­zi­gen Erfah­run­gen wür­de ich unse­rem Baby neben dem Anle­gen ein­fach ein paar Fla­schen geben, bis ich als Mut­ter wie­der etwas zu Kräf­ten gekom­men wäre, damit das Baby erst­mal satt und zufrie­de­ner wäre. Heu­te hät­te ich da weni­ger Schuld­ge­füh­le und Angst vor einer ver­meint­li­chen Saug­ver­wir­rung, aber damals habe ich mich wie die schlimms­te Raben­mut­ter gefühlt, da ich mein Kind nicht lan­ge stil­len konnte.

Spä­ter im Baby­kurs im Geburts­haus hät­te ich ger­ne auf die stän­di­gen Beleh­run­gen mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger zum The­ma Bei­kost und Ernäh­rung all­ge­mein verzichtet.

Im Geburts­haus wird ger­ne pos­tu­liert, dass nur selbst­ge­koch­ter Brei kei­ne Kin­des­miss­hand­lung ist und Gläs­chen nur Dreck ent­hal­ten. Mein Baby war aber nie ein ruhi­ger, zufrie­de­ner Zeit­ge­nos­se, der zufrie­den mit sei­nen Füs­sen gespielt hat, wäh­rend Mama Pas­ti­na­ken püriert. Mein Baby woll­te am liebs­ten 24 Stun­den getra­gen wer­den oder zumin­dest mei­ne unge­teil­te Auf­merk­sam­keit. Ich lausch­te völ­lig ungläu­big ande­ren Müt­tern, die noch Zeit und Ener­gie hat­ten, ihren Kin­dern selbst Stramp­ler zu nähen oder duschen gehen konn­ten, wäh­rend ihr Kind im Bade­zim­mer auf einer Decke lag! Ich war froh, wenn ich dazu kam, mir die Zäh­ne zu put­zen. Nicht jedes Kind ist gleich und auch nicht jede fami­liä­re Situa­ti­on: ich bin kei­ne Raben­mut­ter, wenn ich mei­nem Kind auch mal Gläs­chen­nah­rung gebe und es mir aus rei­nem Über­le­bens­wil­len hier und da etwas leich­ter mache. Es ging bei uns im ers­ten ¾ Baby­jahr meist nicht um den Schwimm­stil, son­dern dar­um, nicht unterzugehen.

Ich habe die gan­zen Klug­scheis­ser-Kom­men­ta­re zur Ernäh­rung nicht gebraucht, ich bin seit 20 Jah­ren Vege­ta­ri­er, habe immer lei­den­schaft­lich ger­ne gekocht, mich mit gesun­der Ernäh­rung, Nach­hal­tig­keit und fai­rem Han­del beschäf­tigt,  jeden Diens­tag kam die Bio­kis­te ins Haus – doch Ihr könnt ger­ne mal vor­ma­chen, wie Ihr 5 Brei­mahl­zei­ten am Tag zube­rei­tet, wenn Ihr stän­dig ein Baby mit stär­ke­ren Bedürf­nis­sen in der Tra­ge vor Eurem Bauch geschnallt habt, Ihr völ­lig über­mü­det seid und Rücken­schmer­zen habt. Wer da noch stän­dig den Pürier­stab schwin­gen kann, ist ent­we­der Maso­chist oder übernatürlich.

Auch den Tipp der Kin­der­ärz­tin, unse­ren Sohn zum Ein­schla­fen schrei­en zu las­sen, hät­te ich nicht gebraucht. Tat­säch­lich habe ich von vie­len Kin­der­ärz­ten auch im Netz genau die­sen Rat­schlag gele­sen. Gott sei Dank habe ich zu dem The­ma viel recher­chiert und weiss, dass die­ses Vor­ge­hen allen heu­ti­gen Erkennt­nis­sen der früh­kind­li­chen Neu­ro­lo­gie, Psy­cho­lo­gie und Bin­dungs­theo­rie wider­spricht. Aus­ser­dem fühlt es sich für jeden halb­wegs sen­si­blen Men­schen völ­lig falsch an, sein klei­nes Baby allein zu las­sen und nicht auf sein Rufen zu ant­wor­ten. Mit sol­chen Rat­schlä­gen ist Nie­man­dem gehol­fen, es gibt den Eltern nur wie­der das Gefühl, etwas falsch zu machen. Denn hät­te man sein Baby nicht so ver­wöhnt, hät­te man jetzt nicht die Quit­tung, dass es nicht allei­ne ein­schla­fen kann. Herz­li­chen Glück­wunsch, Sie sind durch­ge­fal­len – Set­zen. Sechs.

Natür­lich bin ich ein mün­di­ger Mensch, der für sich und sein Baby selbst ver­ant­wort­lich ist. Doch es ist frus­trie­rend, wenn man von so vie­len Per­so­nen, die einem im ver­rück­ten Baby­kos­mos hel­fen soll­ten, nur wei­ter geschwächt wird. Viel­leicht macht Ihr es beim nächs­ten Mal bes­ser und ver­sucht den Men­schen in sei­ner indi­vi­du­el­len Situa­ti­on zu sehen. Ihr seid die Fach­leu­te, an die man sich wen­det, wenn man Fra­gen und Pro­ble­me hat. Ich habe so vie­le unfass­ba­re Kom­men­ta­re von ande­ren aus mei­nem Umfeld zu unse­rem Kind bekom­men – ein paar Highlights:

“Er ist viel­leicht so unru­hig, weil Du so viel Sport in der Schwan­ger­schaft gemacht hast.”

“Nimm ihn nicht gleich hoch, wenn er weint – Du ver­wöhnst ihn. Da musst Du Dich nicht wun­dern, wenn er auf Dich fixiert ist.”

“Die Klei­nen wis­sen genau, wie sie uns mani­pu­lie­ren können.”

Bei all dem Quatsch, den man als frisch­ge­ba­cke­ne Mut­ter so zu hören bekommt, soll­tet IHR die­je­ni­gen seid, die mich in mei­ner neu­en Rol­le stär­ken – oder wenigs­tens nicht wei­ter runterzieht.

Mütter/​ Väter Berichte – Die Geburt unseres Sohnes

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Die Geburt unse­res Sohnes

Alles begann mit einem ungu­ten Gefühl am 27.12.2017. Abends im Bett dach­te ich, irgend­was stimmt nicht und weck­te mei­nen Mann. Ich sag­te ihm das ich mich nicht gut füh­le und ins Kran­ken­haus fah­re. Da ich davon aus­ge­gan­gen bin, das ich schnell wie­der zu Hau­se bin sag­te ich ihm er sol­le im Bett bleiben.

Von die­ser Idee hielt er jedoch gar nichts und stand auf. Mit gepack­ter Tasche fuh­ren wir ins Kran­ken­haus. Wir mel­de­ten uns an und es ging zum CTG. Wehen hat­te ich zu die­sem Zeit­punkt kei­ne und nach dem Gespräch mit der Ärz­tin, stell­te sich her­aus das mei­ne Schmer­zen vom Nie­ren­stau kamen, an dem ich schon län­ge­re Zeit litt.

Auf­grund der Schmer­zen wur­de ich sta­tio­när auf­ge­nom­men. Die Ärz­tin woll­te am nächs­ten Mor­gen abklä­ren ob die Geburt ein­ge­lei­tet wer­den soll. Als die­se Wor­te fie­len, bekam ich ein ungu­tes Gefühl und Angst mach­te sich breit.

Nach­dem die Schwes­ter mich in Emp­fang genom­men hat und mir ein Schmerz­mit­tel ver­ab­reicht wur­de, fuhr mein Mann nach Hau­se. Nach einer unru­hi­gen Nacht, mit wenig Schlaf trat das ein was die Ärz­tin sag­te. Die Geburt wur­de ein­ge­lei­tet. Ich bekam mei­nem „Cock­tail“ und ich infor­mier­te mei­nen Mann, der auch wenig spä­ter im Kran­ken­haus eintraf.

Da mir die Schwes­tern sag­ten, dass es dau­ern wird bis der „Cock­tail“ wirkt beschlos­sen wir, ein Stück zu gehen und fri­sche Luft zu schnap­pen. Vor dem Ein­gang des Kran­ken­hau­ses ange­kom­men, wur­de mir auf ein­mal rich­tig schlecht und ich muss­te mich über­ge­ben. Nach­dem alles raus war mach­ten wir uns sofort wie­der auf den weg nach oben zur Station.

Auf dem Weg dort­hin bekam ich auf ein­mal wie­der Schmer­zen und ich konn­te mich kaum noch bewe­gen. Auf dem Zim­mer ange­kom­men, infor­mier­te mein Mann die Schwes­ter über mei­ne Lage. Nach einem kur­zen Gespräch mit ihr, beschloss sie im Kreiß­saal anzu­ru­fen. Da die Schmer­zen immer schlim­mer wur­den, war ich nicht in der Lage das kur­ze Stück von der Sta­ti­on rüber zum Kreiß­saal aus eige­ner Kraft zu schaf­fen, so das die Schwes­ter beschloss mich mit dem Bett rüber zu fahren.

Im Kreiß­saal ange­kom­men nahm das ungu­te Gefühl noch wei­ter zu. Ich fühl­te mich nicht wohl und das lag nicht nur dar­an das ich mit dem Bett mit­ten im Gang „geparkt“ wur­de. Wie sich lei­der zei­gen soll­te hat mich mein Gefühl nicht getäuscht. Die Schmer­zen wur­den immer hef­ti­ger doch eine Heb­am­me war
erst ein­mal nicht zu sehen.

Nach etwa 10 Minu­ten, die sich für mich bzw.uns wie eine Ewig­keit anfühl­ten, kam end­lich jemand. Begrüsst wur­den wir von der Heb­am­me mit den net­ten Wor­ten: „ Wie­so kommt DIE denn mit dem Bett? Jetzt muss ich die da raus holen und ich hab es eh schon im Rücken!“ Die gute Dame hielt es weder für nötig uns zu begrüs­sen, noch sich vor­zu­stel­len. Geschwei­ge denn auch nur im Ansatz zu ver­su­chen mir die Angst zu neh­men, oder zu fra­gen wie es mir geht.

Ab hier nam das Dra­ma dann sei­nen Lauf. Wider­wil­lig mach­te sie ihren Job und brach­te uns in ein Zim­mer. Dort ange­kom­men soll­te ich aus dem Bett her­aus und auf das Geburts­bett. Hil­fe von der Dame mit Rücken­schmer­zen war dabei nicht zu erwar­ten und kam auch nicht, so das mein Mann es übernahm.

Schlecht gelaunt und grum­melnd ver­ließ die Heb­am­me mit den Wor­ten „Ich komm gleich wie­der“, das Zim­mer. Mei­ne Angst stieg immer wei­ter. Gleich­zei­tig mach­te sich aber auch Wut in mir breit. Schliess­lich war es unser ers­tes Kind und wir wuss­ten abso­lut nicht was auf uns zu kommt. Da kann man eine sol­che Heb­am­me rich­tig gut gebrauchen.

Nach etwa wei­te­ren 10 bis 15 Minu­ten bekam ich end­lich was gegen die Schmer­zen und das CTG wur­de ange­schlos­sen. Gott sei Dank nicht von der Dame mit Rücken­be­schwer­den. Nach­dem das Schmerz­mit­tel wirk­te, konn­ten wir uns etwas beru­hi­gen. Wehen waren nur leich­te auf dem CTG zu sehen, also ver­such­ten wir das bes­te aus der Zeit zu machen. Da sich „nichts“ tat beschloss ich mei­nen Mann gegen 18 Uhr noch ein­mal nach Hau­se zu schicken.

Schliess­lich konn­te er nicht wirk­lich was tun und hat­te auch nicht viel geschla­fen. Viel­leicht habe ich geahnt das wir noch viel Kraft brau­chen wer­den und woll­te des­we­gen das er sich noch etwas aus­ruht. Nach­dem im Lau­fe der Zeit die Wehen stär­ker wur­den, kam gegen 21 Uhr der zustän­di­ge Arzt für die PDA. Im Schlepp­tau die Heb­am­me mit Rücken­schmer­zen und einen Assis­ten­ten. Mei­ne Begeis­te­rung hielt sich in Grenzen.

Schein­bar waren alle nicht Men­schen der vie­len Wor­te, denn auch der Arzt bekam nur raus: „So ich bin jetzt da. Wir legen jetzt die PDA.“ Wie sich her­aus stel­len soll­te war der gute Mann ein Meis­ter sei­nes Fachs. Ich soll­te einen Kat­zen­bu­ckel machen damit er die Nadel set­zen kann. Dies ist natür­lich ein leich­tes für eine Frau mit Baby­bauch. Nach­dem man merk­te das ich es nicht schaf­fe eine Buckel zu machen, ver­such­te die Dame mit Rücken­schmer­zen mir zu „hel­fen“ indem sie mich nach vor­ne run­ter drückte.

Die­se „Hil­fe“ war in den ers­ten bei­den Ver­su­chen erfolg­los. Sprich zwei­mal gesto­chen, kei­ne PDA. Der Arzt woll­te einen drit­ten Ver­such star­ten und ich frag­te die Heb­am­me ob sie mir noch ein­mal hel­fen wür­de einen Buckel zu machen. Schliess­lich woll­te ich das die PDA end­lich sitzt. Ihre Ant­wort dar­auf war: „ Das schaff ich mit mei­nem Rücken nicht mehr.“

Mir blieb also nichts ande­res übrig als es allei­ne zu ver­su­chen. Geschafft habe ich es natür­lich nicht und nach ins­ge­samt fünf Sti­chen hat der Arzt auf­ge­ge­ben. Er gab mir noch zu ver­ste­hen das es mei­ne Schuld sei das es nicht funk­tio­niert. Er sag­te: „ Du kannst kei­nen Kat­zen­bu­ckel machen, also hast du jetzt Pech gehabt.“ Der Assis­tent frag­te mich dann noch wie lang ich denn schon Wehen hät­te. Als ich ihm acht Stun­den sag­te, bekam ich zur Ant­wort: „Ach, das geht doch noch.“ In die­sem Moment wäre ich am liebs­ten aus­ge­flippt und dach­te nur, du Blöd­mann liegst ja auch nicht hier!

Unvoll­rich­te­ter Din­ge ver­lies­sen alle das Zim­mer. Wenig spä­ter kam mein Mann zurück. Als er das Zim­mer betrat hör­te ich nur, das gleich noch­mal ver­sucht wird die PDA zu legen. Wütend rief ich von der Toi­let­te aus das die­ser Idi­ot bloß abhau­en soll! Mein Mann sag­te mir das ein ande­rer Arzt kom­men wird. Kur­ze Zeit spä­ter kam eine Ärz­tin von der Intensivstation.

Ihre Lau­ne war nicht die bes­te, jedoch sag­te sie mir das es nichts mit mir zu tun hat. Sie schau­te sich das Werk ihres Kol­le­gen an und sag­te ich bin sofort zurück. Sie ver­liess das Zim­mer und durch die halb geschlos­se­ne Tür hör­te man, wie sie ihren Kol­le­gen zur Sau macht. Sie kam zurück und brach­te nach zwei Sti­chen das zu Ende, was ihr Kol­le­ge mit fünf nicht geschafft hat.

Die PDA saß end­lich und auch die Heb­am­men hat­ten Schicht­wech­sel. Nach­dem man mir kurz erklär­te wie ich im Fal­le von star­ken Schmer­zen etwas nach­sprit­zen kann, ließ man uns erst­mal allei­ne. Nach­dem die PDA wirk­te sind wir immer mal wie­der ein­ge­schla­fen. Gegen 03:00 ging es dann auf ein­mal rich­tig los. Die Wehen wur­den immer stär­ker. Der Mut­ter­mund war jedoch nicht weit genug geöff­net. Nach­dem es immer wie­der hiess, wir war­ten noch, dreh­te sich die Mei­nung der Heb­am­men nach ca. einer Stun­de kom­plett. Auf ein­mal hiess es, so lang­sam müs­sen wir aber. Also soll­te ich in den vier­füß­ler Stand. Kei­ne Minu­te in die­ser Posi­ti­on merk­te ich schon, das die­se von den Schmer­zen her nicht aus zu hal­ten war. Ich sag­te das ich es so nicht aus­hal­te. Die Heb­am­me inter­es­sier­te das wenig und die ver­liess mit den Wor­ten: „Das müs­sen sie aber, wenn’s nicht geht klin­geln sie,“ das Zim­mer. Die Tür war kaum zu, da sag­te ich mei­nem Mann er soll die Heb­am­me sofort zurück holen.

Er klin­gel­te und sie kam. Sie woll­te noch immer das ich in die­ser Posi­ti­on blei­be. Let­zend­lich konn­te ich sie aber doch davon über­zeu­gen dass es nicht geht. Sie woll­te die dienst­ha­ben­de Ärz­tin infor­mie­ren und wir waren wie­der allei­ne. Nach ein paar Minu­ten kam die Ärz­tin mit zwei Hebammen.

Mir wur­de wie­der nahe gelegt das lang­sam was pas­sie­ren muss. Die Ärz­tin unter­such­te mich erneut. Wie ich im Nach­hin­ein durch mei­nen Mann erfah­ren habe, stach sie bei die­ser Unter­su­chung die Frucht­bla­se auf. Ich frag­te noch was das gera­de war aber bekam nur zur Ant­wort : „Nichts.“ Die Wehen wur­den immer hef­ti­ger und auf ein­mal wur­de es total stres­sig und hek­tisch im Raum.

Sowohl die Ärz­tin als auch die Heb­am­men ver­mit­tel­ten kein Gefühl der Beru­hi­gung, son­dern ein Gefühl der Panik. Wie­der soll­te ich in den Vier­füß­ler Stand. Unser Sohn war auf dem Weg. Die Ärz­tin wur­de immer hektischer.

Wie­der soll­te ich die Posi­ti­on wech­seln. Auf dem Rücken lie­gend war der Kopf schon raus, jedoch hing der klei­ne an der Schul­ter fest. Wie­der wur­de ich in eine ande­re Posi­ti­on gebracht. Der Stress und die Hek­tik nah­men immer mehr zu. Wie­der soll­te ich auf den Rücken und nach unend­li­chen Minu­ten war der klei­ne auf der Welt.

Die Hek­tik jedoch ließ nicht nach. Man hör­te kei­nen Schrei. Wort­los wur­de unser Sohn ins Neben­zim­mer gebracht und wir waren wie­der allei­ne. Ich frag­te mei­nen Mann war­um unser Kind nicht schreit und er ver­such­te mich zu beru­hi­gen. Angst mach­te sich bei uns bei­den breit.

Infor­ma­tio­nen oder auch nur jemand der bei uns ist, Fehl­an­zei­ge. Wir blie­ben minu­ten­lang allein im Zim­mer. End­lich öff­ne­te sich die Tür und mein Mann durf­te zu unse­rem Sohn. Jetzt hör­te man auch ein Schrei­en. Im Neben­zim­mer waren zwei Schwes­tern der Kin­der­in­ten­siv­sta­ti­on. Die sag­ten mei­nem Mann das der klei­ne die Nabel­schnur zwei­mal um den Hals und zu viel Flüs­sig­keit in der Lun­ge hatte.

Sie nah­men den klei­nen zur Beob­ach­tung mit und man sag­te uns wir könn­ten ihn Nach­mit­tags wahr­schein­lich wie­der abho­len wenn sich die Lage ver­bes­sert hat. Wir wur­den in ein ande­res Zim­mer gebracht. Wir hat­ten Angst um unser Kind und mach­ten uns Sor­gen. Infor­ma­tio­nen gab es wie­der mal kei­ne. Nach ca. zwei Stun­den ohne Infos oder ähn­li­chen Bei­stand, kam auf ein­mal eine Schwes­ter ins Zimmer.

Auf dem Arm unse­ren Sohn. Er hat­te sich sta­bi­li­siert und nach vier Stun­den „nichts wis­sen“ hielt ich zum ers­ten mal mein Kind im Arm.

Mütter/​ Väter Berichte – Unsere Tochter war ein absolutes Wunschkind

Eltern die zu Beglei­tun­gen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburts­be­richt oder die Erfah­run­gen mit ihrem Baby auf­zu­schrei­ben und wenn die Eltern möch­ten die­se Berich­te hier auf der Sei­te zu veröffntlichen.

Die Berich­te wer­den und wur­den von mir nicht zen­siert oder verändert.


Unse­re Toch­ter war ein abso­lu­tes Wunschkind.

Mei­ne Schwan­ger­schaft genoss ich von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te. Bis auf die übli­chen Weh­weh­chen hat­te ich kaum mit Pro­ble­men in der Schwan­ger­schaft zu kämpfen.

In der Woche vor dem Ent­bin­dungs­ter­min emp­fahl mei­ne Frau­en­ärz­tin mir ein Vor­be­rei­tungs­ge­spräch in mei­ner Ent­bin­dungs­kli­nik, da sie das Baby als sehr groß gemes­sen hat­te. Die Kli­nik kor­ri­gier­te das Gewicht etwas nach unten, Emp­fahl aber mit einer Ein­lei­tung nicht län­ger als sie­ben Tage nach ET zu war­ten. Drei Tage nach mei­nem ET wur­de ich mit Ver­dacht auf Gesto­se wie­der ins Kran­ken­haus geschickt, doch der erhöh­te Blut­druck bestä­tig­te sich nicht, sodass ich wie­der nach Hau­se konn­te. Am Frei­tag, sechs Tage nach ET, bekam ich eine Ein­wei­sung ins Kran­ken­haus für die Einleitung.

Doch in der Nacht zu Sams­tag gegen vier Uhr mor­gens set­zen die Wehen ein. Regel­mä­ßig, aber noch in wei­ten Abstän­den. Mor­gens tele­fo­nier­te ich mit der Kli­nik und sie emp­fah­len mir, trotz­dem zu kom­men. Das CTG bei der Auf­nah­me bestä­tig­te, dass die Wehen zu regel­mä­ßig und stark für eine Ein­lei­tung waren. Also wur­de ich erst­mal auf die Sta­ti­on geschickt, damit geschaut wer­den konn­te, wie sich die Situa­ti­on entwickelt.

Nach­mit­tags kamen die Wehen schon in fünf Minu­ten Abstän­den, wäh­rend ich die Flu­re hoch und run­ter lief. Gegen 18 Uhr stell­te der Arzt fest, dass der Mut­ter­mund 3 cm geöff­net war. Ich hat­te star­ke Schmer­zen, sodass man mich in den Kreis­saal ver­leg­te, da man mir dort bes­ser hel­fen konn­te. In Abspra­che mit den Heb­am­men bekam ich dort auch einen Ein­lauf und homöo­pa­thi­sche Medi­ka­men­te. Im Anschluss ging ich in die Bade­wan­ne. Dies tat mir sehr gut, die Wehen­stär­ke und – häu­fig­keit nahm etwas ab, ich ent­spann­te mich. Zwi­schen­durch ver­ließ ich die Bade­wan­ne, da die Wehen aber schlim­mer wur­den, ging ich wie­der zurück baden. Um kurz nach Mit­ter­nacht wur­de ich erneut von den Heb­am­men untersucht.

Der Mut­ter­mund war 6cm geöff­net, aber das Kind senk­te sich lei­der nicht mit dem Kopf ins Becken, es lag sogar falsch. Die Heb­am­men emp­fah­len mir, mich auf die Sei­te zu legen, damit sich das Köpf­chen dreht und doch noch ins Becken ein­tritt. Lei­der habe ich den Tag über fest­ge­stellt, dass ich im Lie­gen sehr star­ke Wehen­schmer­zen bekam, sodass lie­gen für mich kei­ne Opti­on war. Des­we­gen wur­de mir zu einer PDA gera­ten. Ich wil­lig­te ein, da es augen­schein­lich kei­nen ande­ren Weg gab. Der Nar­ko­se­arzt wur­de geweckt und die PDA vor­be­rei­tet. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te ich schon alle drei Minu­ten Wehen. Lei­der muss­te der Arzt mehr­mals zuste­chen, er brauch­te ins­ge­samt fünf Versuche.

Zwi­schen­durch kamen natür­lich Wehen und ich muss­te mich stark kon­zen­trie­ren, da ich mich nicht bewe­gen durf­te. Ich wur­de auf­ge­for­dert, mich sogar mehr zu ent­span­nen, da mei­ne Mus­ku­la­tur zu ver­krampft sei. Ich ver­such­te alles so gut wie mög­lich zu befol­gen. Dann hör­te ich auch noch, wie der Nar­ko­se­arzt sag­te: „Kann sich jemand um den Mann küm­mern, der kippt glau­be ich gleich um.“ Trotz allem ver­such­te ich, mich zu ent­span­nen und dann saß die PDA endlich.

Mei­nem Mann ist auch nichts pas­siert, er wur­de recht­zei­tig auf ein Sofa gesetzt. Dies war der Zeit­punkt, wo ich das Gefühl hat­te, mir wur­de die Geburt aus der Hand genommen.

Ich muss­te mich hin­le­gen und ich spür­te weder die Wehen noch mein Kind mit der PDA. Ich sah nur auf dem CTG und anhand der anspan­nen­den Bauch­de­cke, dass ich Wehen haben müss­te. Nun lag ich da und war­te­te und war­te­te. Es gab nichts, was ich tun konn­te. Mor­gens um sechs kurz vor dem Schicht­wech­sel stell­te man fest, dass der Mut­ter­mund voll­stän­dig geöff­net war, aber das Kind immer noch nicht in das Becken ein­ge­tre­ten war. Nach dem Schicht­wech­sel unter­such­te mich die neu ein­ge­trof­fe­ne Heb­am­me und öff­ne­te die Furcht­bla­se. Manch­mal wür­de die Frucht­bla­se ein Ein­tre­ten ins Becken behin­dern. Sie sag­te, wir war­ten jetzt noch zwei Stun­den und wenn sich dann nix getan hat, wird ein Kai­ser­schnitt veranlasst.

Ich brach in Trä­nen aus, da ich vor einem Kai­ser­schnitt wahn­sin­ni­ge Angst hat­te. Die gan­ze Anspan­nung und War­te­rei der letz­ten Nacht ent­lu­den sich schlag­ar­tig. Die Heb­am­men­schü­le­rin, die mich beglei­te­te, beru­hig­te mich und erklär­te mir alles in Ruhe. Wie der Kai­ser­schnitt ablau­fen wür­de, was mit mir und mei­nem Kind pas­siert. Ich beru­hig­te mich lang­sam und wartete.

Nach einer Stun­de stell­te die Heb­am­me fest, dass es tat­säch­lich so aus­sieht, als wür­de sich das Köpf­chen sen­ken. Ich hät­te noch Tage gewar­tet, wenn sich dadurch ein Kai­ser­schnitt ver­hin­dern ließe.

Eine Stun­de spä­ter bestä­tig­te sich der Ein­druck lei­der nicht. Der Ober­arzt kam, unter­such­te mich und ver­an­lass­te wegen Geburts­still­stand den Kai­ser­schnitt. Es war inzwi­schen nach zehn Uhr mor­gens. Es kamen jede Men­ge Leu­te in den Raum und berei­te­ten mich auf den Kai­ser­schnitt vor.

Eine Anäs­the­sis­tin klär­te mich über die Risi­ken auf, ein zwei­ter sprit­ze die PDA auf. Heb­am­men bet­te­ten mich um und scho­ben mich in den OP. Dort wur­de ich wei­ter mit Elek­tro­den und ande­ren Sachen zuge­klebt. Ich hat­te sehr viel Angst, beson­ders als der Ober­arzt mit einer Pin­zet­te tes­te­te, ob ich noch was mer­ke und ich es tat­säch­lich gespürt hat­te. Aber der Kai­ser­schnitt an sich ver­lief gut. Um 10:58 Uhr leg­te der Arzt mir mei­ne Toch­ter auf die Brust. Zwar hin­ter den Vor­hang, aber sie war bei mir. Und es ging ihr gut. Sie wur­de kur­ze Zeit spä­ter von den Kin­der­ärz­ten in den Neben­raum mit­ge­nom­men und unter­sucht. Ich konn­te sie die gan­ze Zeit sehen. Dann wur­de sie auf mei­ne Brust unter einen Wär­me­fön gelegt. Wir sahen uns das ers­te Mal in die Augen.

Als mein Mann sprach, der die gan­ze Zeit an mei­nem Kopf hin­ter mir geses­sen hat, such­te sie die ihr bekann­te Stim­me, es war ein schö­ner Moment. Nach ein paar Minu­ten bekam mein Mann mei­ne Toch­ter auf den Arm und bei­de gin­gen zurück in den Kreis­saal, wäh­rend ich zuge­näht wur­de. Als ich zurück in den Kreis­saal gescho­ben wur­de, zit­ter­te ich am gan­zen Kör­per unkon­trol­liert und hef­tig. Mir war furcht­bar kalt, aber ich war erleich­tert, dass es mei­ner Toch­ter und auch mir den Umstän­den ent­spre­chend gut ging.

Die Geburt spuk­te noch meh­re­re Wochen in mei­nem Kopf rum und beschäf­tig­te mich. Ger­ne hät­te ich eine natür­li­che Geburt gehabt. Ich war ent­täuscht und frus­triert und fra­ge mich bis heu­te, ob eine län­ge­re War­te­zeit am Ende doch zu einer natür­li­chen Geburt geführt hät­te. Eine genaue Ursa­che des Geburts­still­stan­des wur­de nicht gefun­den, mei­ne Toch­ter war weder beson­ders dick, noch war die Nabel­schnur zu kurz. Es lässt sich nicht mehr ändern, doch wer­de ich immer mit Weh­mut und Ent­täu­schung an die Geburt zurückdenken.