Eltern die zu Begleitungen bei mir sind oder waren lade ich ein einen Geburtsbericht oder die Erfahrungen mit ihrem Baby aufzuschreiben und wenn die Eltern möchten diese Berichte hier auf der Seite zu veröffntlichen.
Die Berichte werden und wurden von mir nicht zensiert oder verändert.
Geburtsbericht
Unser gemeinsames Leben begann an einem furchtbar heißen Tag im Sommer. Ich bemerkte, dass sich irgendetwas anders anfühlte. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber irgendetwas hatte sich verändert. Ich bemerkte auch immer wieder ein zuerst leichtes Ziehen im Unterleib. So gegen 17 Uhr fing es an, dass dieses Ziehen, dass wenig später in Wehen mündete, immer regelmäßiger wurde.
Schon Wochen vor der Geburt konnte ich nicht mehr richtig schlafen. Oft bin ich mitten in der Nacht ins Wohnzimmer gegangen und habe vergeblich versucht, auf der Couch weiterzuschlafen. Auch in dieser Nacht konnte ich nicht viel schlafen. In der Nacht haben wir bereits diese immer schlimmer werdenden Schmerzen mithilfe einer App getrackt. Allerdings waren die Abstände noch bei ca. 20 Minuten. Trotzdem sind wir nachts um 5 Uhr ins Krankenhaus gefahren, weil es mir echt nicht gut ging.
Dort musste mein Mann im Auto warten, weil aufgrund der Corona-Pandemie keine Begleitperson bis zur tatsächlichen Geburt in den Kreißsaal durfte. Im Kreißsaal angelangt, schloss man mich erst einmal an den Wehenschreiber an. Und wie ich es mir schon dachte, sagte auch die Hebamme: „Die Wehen sind noch zu unregelmäßig.“
Also schickte sie uns wieder nach Hause, wo die Wehentätigkeit weiter zunahm. Das Ganze wurde immer stärker und schmerzhafter. Ich hatte schon zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, die Wehen veratmen zu müssen und versuchte, das im Geburtsvorbereitungskurs Erlernte umzusetzen. Es war weiterhin unfassbar heiß und ich sehnte mich nach einer Badewanne. Leider besitzen wir keine, sodass ich mich bestimmt sechsmal unter die Dusche gestellt habe, weil die Schmerzen dort immer etwas besser zu ertragen waren.
Mir ging es schlecht, doch ich erinnerte mich an die Worte aus dem Geburtsvorbereitungskurs: „Man darf erst ins Krankenhaus, wenn die Wehen eine Stunde lang alle 5 Minuten kommen.“ Und sie kamen einfach noch nicht so regelmäßig. Selbst am späten Nachmittag kamen die Wehen noch nicht alle 5 Minuten – sondern mittlerweile alle 8 Minuten – und zu diesem Zeitpunkt hatte ich ja bereits schon fast 24 Stunden Wehentätigkeit.
Um nicht wieder vom Krankenhaus nach Hause geschickt zu werden, rief ich meine Hebamme in einer kurzen Wehenpause an und schilderte meine Situation. Ich sagte, dass ich mich an ihre Worte aus dem Geburtsvorbereitungskurs erinnerte: „Wenn ihr mich anruft und noch sprechen könnt, dann ist es noch zu früh, um ins Krankenhaus zu fahren.“ Und sie erwiderte: „Ja, da hast du doch deine Antwort.“
Doch wenig später entschieden mein Mann und ich, dieser Aussage zu trotzen und uns auf den Weg ins Krankenhaus zu machen. Es war inzwischen 17 Uhr. Der lang andauernde Schlafmangel, die Sommerhitze, die Schmerzen – ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich ausgelaugt und ich hatte das Gefühl, die Schmerzen nach dem langen Zeitraum nicht mehr allein bewältigen zu können. Erneut musste mein Mann im Auto warten und ich stand schon wieder im Kreißsaal und bat um Hilfe und insbesondere um Schmerzmittel.
Leider habe ich kein Schmerzmittel bekommen, weil man mich zuerst an das CTG anschließen wollte. Das CTG war mit den Schmerzen nur sehr schwer zu ertragen und im Wehenschreiberzimmer war ich dann auch insgesamt über eine weitere Stunde allein, bis endlich eine Hebamme kam und mich untersuchte. Laut ihrer Aussage sei zufällig im Moment der Untersuchung meine Fruchtblase geplatzt, sodass ich deswegen – „obwohl die Wehen noch nicht alle 5 Minuten kommen“, so die Hebamme – bleiben durfte und den letzten verfügbaren Kreißsaal bekam.
Ich bat erneut um Schmerzmittel, doch man wollte mir zuerst den Kreißsaal vorbereiten. In der Zeit durfte ich – weil ich darum gebeten hatte – meinen Mann anrufen, dass er hochkommen darf. Nachdem ich 15 Minuten später einfach erneut nach Schmerzmittel gefragt hatte, gab man mir immerhin ein Zäpfchen, das ich mir verabreichen sollte. Wenig später stellte ich aber fest, dass es mir nichts gebracht hat. Nach einer gefühlten Ewigkeit durften wir in den Kreißsaal. Die Wehen wurden stärker und ich wurde schwächer. Deshalb habe ich die diensthabende Hebamme gefragt, welche Schmerzmittel es außerdem noch gäbe und sie sagte, dass man eigentlich nur noch die PDA zur Verfügung hätte. Aus Angst, wie schlimm die Wehen wohl noch werden würden und vor Erschöpfung bat ich darum, dass man mir die PDA legt.
Die Hebamme wollte sich darum kümmern und kam mit einer Ärztin zurück, die mir zunächst einen Wehenhemmer verabreichte, und mir dann erklärte, was jetzt passieren würde und dass ich einen Katzenbuckel zu machen habe. Immer wieder wurde ich darauf hingewiesen, dass ich den Rücken runder machen sollte und dann wurde ich gefragt, ob ich früher viel Sport gemacht hätte, denn das würde man jetzt merken, weil im Rücken alles so straff wäre, dass sie mit der Nadel nicht hindurch käme.
Insgesamt verbrachte man eine Dreiviertelstunde damit, dass man mir die PDA setzt. Es benötigte vier Anläufe und mehrere Betäubungsstiche. Danach folgte erstmal eine Entspannungspause. Mein Mann und ich lagen auf dem Krankenhausbett. Ich trank Cola, aß ein paar Snacks und entspannte mich, um für die Austreibungsphase Kraft zu tanken. Die meiste Zeit waren wir allein im Kreißsaal. Zwischendurch kam mal eine Hebamme und kontrollierte den Muttermund oder die Herztöne des Babys.
Nach zwei Stunden sagte sie bei einer Untersuchung, dass sie jetzt mal mit einer Ärztin sprechen müsse, weil die Wehentätigkeit abnehmen würde und die Herztöne ihr Sorgen bereiteten. Sie bereitete mich sozusagen darauf vor, dass mir Oxytozin verabreicht werden müsse, damit das Kind natürlich auf die Welt kommen könne. Ich fragte, ob das wirklich notwendig sei und sie sagte „ja“. Und dann begann die Austreibungsphase.
Wenn ich mich recht erinnere, ging es plötzlich so schnell, dass ich das Gefühl hatte, dass ich pressen muss und ich konnte es auch nicht aufhalten. Ich lag auf dem Rücken auf dem Bett und sagte bzw. schrie immer wieder, dass ich das ungemütlich finde. Ich hatte das Gefühl, dass die Presswehen nie wieder aufhören würden und schrie die gesamte Etage zusammen.
Irgendwie war mir das sogar unangenehm, weil ich den anderen werdenden Müttern keine Angst machen wollte. Die Hebammen hätten mich ja theoretisch auch mal bestärken können und mir sagen können, dass ich das gut mache, aber stattdessen unterhielten die Damen sich darüber, dass sie eigentlich schon längst keine Schicht mehr hätten und schon in der zweiten Schicht arbeiten müssten.
Dann hieß es plötzlich, dass man vom Kopf meines Kindes Blut abnehmen müsse, um irgendeinen Test zu machen. Ich habe mehrfach darum gebeten, dass man bitte die PDA nachspritzt und dass ich nicht auf dem Rücken liegen möchte, doch die Anwesenden sagten, dass erstmal der Test gemacht werden müsse. Leider brauchte auch das ganze vier Versuche, weil sie aus Versehen immer Fruchtwasser mit in der Probe hatten und das verfälscht wohl das Ergebnis.
Also musste ich ohne Schmerzmittel und ohne so liegen zu dürfen, wie ich es wollte, eine weitere Dreiviertelstunde in dieser Position schreiend und völlig erschöpft verharren. Irgendwann sagte die Hebamme „Man sieht jetzt schon den Haaransatz.“ und ich dachte „Wie bitte?! Jetzt erst?! Von meinem Gefühl und den vielen Presswehen müsste doch bestimmt schon der halbe Kopf draußen sein! Wie soll ich das jemals schaffen?!“
Ich sollte das Köpfchen fühlen, aber ich hätte mir ehrlich gesagt mehr Motivation dadurch erhofft. Vielleicht war ich einfach schon zu erschöpft und ich fragte mich die ganze Zeit, warum meine Wünsche nicht respektiert werden, dass die PDA nachgespritzt wird oder dass ich eine andere Position einnehmen dürfe. Wenn das nicht möglich war, warum hat mir das dann nicht einfach jemand erklärt?
Diese Frage stelle ich mir bis heute. Nachdem der Test dann irgendwann mal erfolgreich war, sagte ich erneut, dass ich nicht mehr auf dem Rücken liegen möchte und die Hebamme sagte „Dann halt auf der Seite.“, was ich insgeheim auch nie wollte. Ich hatte mir immer vorgestellt – und das hatte ich beim Vorgespräch im Krankenhaus auch so geäußert – dass ich in der Badewanne gebären möchte oder im Vierfüßlerstand.
Leider bekam ich den einzigen Kreißsaal ohne Badewanne und über die Gebärpositionen hatte mit mir auch niemand dort gesprochen, nicht einmal als noch Zeit war, das zu besprechen. Also lag ich gezwungenermaßen auf der Seite und sollte immer beim Pressen noch zusätzlich mein Bein anziehen. Entsprechend musste ich nicht nur pressen, atmen, schreien und zuhören koordinieren, sondern auch noch das Bein festhalten.
Nachdem ich irgendwann fest daran glaubte, dass das Ganze kein Ende mehr nehmen würde, versuchte ich mehrmals mit voller Wucht zu pressen und dann, mitten in der Nacht, nach ca. 33 Stunden Schmerzen, passierte es: Mit einem kräftigen Schubser, flutschte mein Baby in diese Welt hinein und der Hebamme fiel nichts Besseres ein als zu sagen: „Passen Sie auf! Jetzt hätten Sie mich fast getreten!“
Meine Mutter hatte immer zu mir gesagt: „Wenn du dein Kind in den Armen hältst, ist alles vergessen.“, doch mir war sofort klar, dass ich dieses Erlebnis, diese Schmerzen, diese Hilflosigkeit, diese Tortur niemals, wirklich niemals, vergessen würde.

